Vom Golfrasen zur Blühfläche
Was nach einer einfachen Umstellung klingt, ist in der Praxis ein komplexes Vorhaben mit neuer Technik, überarbeitetem Kataster und gezielter Bürgerkommunikation. Bis 2021 war das Bild eindeutig: Mulchmähwerk, regelmäßige Überfahrten, gleichmäßig kurze Rasenflächen auf nahezu allen städtischen Grünflächen. Was damals als Pflegestandard galt, steht heute in Sehnde zur Disposition.
Maja Klenke, zuständig für Grünflächen und Gewässer im Team der städtischen Infrastruktur Sehnde, schildert die Ausgangslage: „Nach der Umstellung 2021 auf naturnahe Pflege fehlte es an Konkretisierung. Es wurde damals nicht so richtig festgelegt, was das genau bedeutet – welche Flächen wie gepflegt werden und wie das mit unseren Kapazitäten umsetzbar ist." Der Ansatz, Flächen einmal jährlich im September zu mähen und das Schnittgut liegen zu lassen, funktionierte in der Praxis nicht durchgängig. Auf manchen Flächen breitete sich Brombeere aus, der Blühaspekt des Sommers war bis zur Mahd längst verblasst, und das vorhandene Gerät – ein klassischer Balkenmäher ohne Aufnahmevorrichtung – stieß an seine Grenzen.
Genau hier setzt das aktuelle Projekt an. Seit dem 26. März 2025 läuft der Förderzeitraum im Rahmen des Bundesprogramms „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen" (NKK). Die Stadt Sehnde befindet sich im Förderbereich A – Umstellung auf naturnahes Grünflächenmanagement – und erhält dafür eine Gesamtförderung von 225.000 €. Diese Mittel decken Personalkosten, die Anschaffung technischer Ausstattung, die Beauftragung eines Planungsbüros sowie konkrete Umsetzungsmaßnahmen ab.
Förderstruktur und Antragstellung
Das Programm gliedert sich in vier Förderbereiche: A steht für die Umstellung auf naturnahes Grünflächenmanagement, B für die Pflanzung von Bäumen, C für die Schaffung von Naturoasen und D für Entsiegelung sowie die Wiederherstellung natürlicher Klimafunktionen. Innerhalb jedes Bereichs sind spezifische Maßnahmen förderfähig – von der Erstellung von Pflegekonzepten über die Beschaffung technischer Ausstattung bis hin zu Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Personal.
Katharina Wrede, Teamleitung der städtischen Infrastruktur Sehnde und Projektleiterin, beschreibt den Antragsprozess als vergleichsweise niedrigschwellig: „Der Antrag umfasst wenige Seiten. Man muss zum Antragszeitpunkt noch keine Angebote vorliegen haben, sondern beschreibt grob die Idee, das Ziel und die geplanten Schritte mit einer groben Kostenschätzung." Hinzu kommt eine Liste von Mindestanforderungen, die im Projektverlauf erfüllt werden müssen – darunter eine vollständige digitale Bestandserfassung aller relevanten Grünflächen.
Ein bedeutender Faktor für die Entscheidung, das Förderprogramm zu beantragen, war die mitgeförderte Personalstelle. Verena Pohl, die als Projektbearbeiterin für das Vorhaben eingestellt wurde, ist seit November 2025 im Einsatz. Ihre halbe Stelle ist auf die Förderlaufzeit befristet. „Fördermittel sind natürlich immer attraktiv, aber man braucht auch jemanden, der die Umsetzung wirklich trägt – gerade neben der normalen Arbeit ist das für viele schwierig", argumentiert Maja Klenke. Die Stelle macht das Programm für die Kommune erst praktisch handhabbar.
Die Bereiche A bis D können dabei parallel beantragt werden. Sehnde hat neben dem laufenden A-Vorhaben bereits einzelne Baumpflanzungen über den Förderbereich B finanziert – unabhängig vom Grünflächenkonzept, das für einige andere Maßnahmen als Voraussetzung gilt.
Technik für naturnahes Mähen
Parallel zur Projektplanung beschaffte die Stadt Sehnde neue Technik. Angeschafft wurde das Köppl-Grundgerät Taurus 23 mit DuroCut Doppelmesser-Portalmähwerk. Dessen Mähwerk gleitet mit ca. 10 cm Höhe über den Boden, wodurch nah am Boden lebende Insekten geschont werden. Ergänzt wird das Gerät durch eine Heumaschine und eine Ballenpresse zur maschinellen Schnittgutaufnahme.
Gerade letztere Komponente adressiert ein zentrales Problem der bisherigen Praxis. Bei naturnaher Mahd muss das Schnittgut nach einer Liegezeit von einigen Tagen aufgenommen und abtransportiert werden, damit die Fläche nicht durch Nährstoffeintrag verarmt. Das händische Aufnehmen ist bei den aktuellen Personalkapazitäten kaum noch leistbar. „Mit der Ballenpresse kann man das Schnittgut maschinell aufnehmen – entweder direkt oder nach dem Trocknen – und dann abtransportieren und entsorgen. Das macht den ganzen Prozess deutlich handhabbarer", schildert Maja Klenke. Seit Anfang Mai sind die Geräte im praktischen Einsatz, nach einer Einweisungsphase für das Bauhofpersonal.
Das neue Gerät ist nicht für alle Flächentypen vorgesehen. Schmale Straßenbegleitgrünstreifen von 50 cm Breite werden weiterhin mit konventionellem Gerät gemäht. Der Einsatz des Taurus 23 konzentriert sich auf größere Flächen mit echtem Entwicklungspotenzial für Blühaspekte und Artenvielfalt.
Carmen Carl, Redaktion KommunalTechnik
Den kompletten Text lesen Sie in der aktuellen Ausgabe unserer Fachzeitschrift KommunalTechnik.