Marktübersicht Lkw
Ohne Lkw bewegt sich auf den meisten Bauhöfen nicht viel. Mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge übernehmen eine Vielzahl von Transportaufgaben. Nicht selten werden sie mit Ladekranen und/oder Abrollkippern ausgestattet. Und sie sind im Winterdienst unterwegs. Ein weiteres Charakteristikum: Gerade auf kleineren Bauhöfen bleiben die Fahrzeuge häufig eine Nutzungsdauer von zehn und mehr Jahren im Dienst. Angesichts der hohen Anforderungen an Einsatzflexibilität, Zuverlässigkeit und natürlich auch Wirtschaftlichkeit, sollten Neu- und Ersatzinvestitionen in den kommunalen Fuhrpark wohl überlegt sein.
Eines der wichtigsten Kriterien für eine Investitionsentscheidung ist das mögliche Gesamtgewicht, das maßgeblich von der Zahl der Achsen abhängt. Um die mögliche Nutzlast errechnen zu können, muss zum Eigengewicht des Fahrgestells auch der Aufbau mitgerechnet werden. In der Regel werden für Bauhofeinsätze 3-Seiten-Kipper oder Abrollkipper aufgebaut. Auch Ladekrane stehen vielfach im Zielheft, die ebenfalls einiges auf die Waage bringen.
Steht das Eigengewicht des Lkw samt Aufbau fest, ist die Differenz zur zulässigen Gesamtmasse die zur Verfügung stehende Nutzlast. Auch die sollte bereits im Vorfeld kalkuliert werden. Sollen beispielsweise mit dem Lkw Arbeitsmaschinen zum Einsatzort transportiert werden oder wird häufig schwerer Aushub transportiert? Kritisch kann es auch im Winterdienst werden. Zum „normalen“ Aufbau kommt der Streuaufbau, gegebenenfalls ein Räumschild und natürlich Salz und/oder Sole. Um auch hier die gesetzlichen Gewichtsvorgaben nicht zu reißen, muss im Vorfeld sehr genau errechnet werden, ob ein 2-Achs-Lkw reicht, oder ob es besser drei Achsen sein sollten.
Formeln für den Antrieb
Ein weiteres Kriterium bei der Konfiguration eines Bauhof-Lkw sind die jeweiligen Antriebsformeln. Kommt das Fahrzeug mit klassischem Hinterradantrieb aus oder sollte als Achsformel die 4x4 oder die 6x4 oder gar 6x6 gewählt werden? Die Beantwortung dieser essenziellen Frage, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Eigengewicht des Fahrzeuges hat, hängt maßgeblich vom Einsatzprofil ab, auf dem der Lkw operiert.
Je nach Einsatzprofil und Topografie reicht möglicherweise auch eine Anfahrhilfe wie der HydroDrive von MAN, der Hydraulic Auxilary Drive (HAD) von Mercedes-Benz Trucks oder das X-Trac-System von Volvo. Technisch unterscheiden sich diese und auch die Anfahrhilfen anderer Hersteller lediglich im Detail. Grundsätzlich sorgen hydraulisch angetriebene Ölmotoren in der Vorderachse bis zu einer Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h für zusätzliche Traktion. Allerdings ist diese Technologie lediglich eine Anfahrhilfe. Im Winterdienst auf fest gefahrenen Schneedecken führt kein Weg am mechanischen Allradantrieb vorbei.
Auch die Rahmenlänge sowie die Fahrgestellhöhe gilt es bewusst zu wählen. Je länger das Fahrzeug wird, desto weniger wendig ist es. Wo der Lkw schon mal unter beengten Bedingungen operieren muss, sollte das Fahrzeug mit Blick auf die Länge, so kompakt wie möglich gewählt werden. Übrigens können auch 3-Achs-Fahrzeuge ein hohes Maß an Wendigkeit mitbringen. Das ist der Fall, wenn das Fahrzeuge über gelenkte Vor- oder Nachlaufachsen ausgestattet ist.
Das Thema Bodenfreiheit ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. Das ein Lkw von kommunalen Bauhöfen auch abseits befestigter Straßen eingesetzt wird, dürfte eher die Regel als die Ausnahme sein. Bei der Schwere möglicher Off-Road-Einsätze gibt es dagegen je nach Region deutliche Unterschiede. So empfiehlt sich für einen Lkw, der im Alpenvorland eingesetzt wird, eine höhere Bodenfreiheit, als bei einem Bauhof-Lkw der in der norddeutschen Tiefebene genutzt wird.
Elektrische Alternativen
Neben dem Gewicht und den Abmessungen sollte auch die Motorisierung sorgfältig konfiguriert werden. Möglich ist viel, betriebswirtschaftlich sinnvoll nur das, was tatsächlich an Leistung benötigt wird. Ein Bauhof-Lkw muss keine hohen Marschgeschwindigkeiten auf Autobahnen erreichen, kann aber durchaus in einer anspruchsvollen Topografie unterwegs sein. Ganz wichtig bei der Motorisierung ist auch die Leistung, die ein möglicher Nebenantrieb für hydraulisch angetriebene Aggregate wie einen Ladekran oder auch die Winterdienstausrüstung zur Verfügung stellt, zu beachten.
Wenn es um den Antrieb eines Fahrzeuges geht, ist der Diesel längst nicht mehr die einzig verfügbare Antriebsquelle. Nahezu alle Nutzfahrzeughersteller sind inzwischen dem Wunsch vieler Kommunen und öffentlicher Auftraggeber nachgekommen, auch in der mittelschweren und schweren Klasse nachhaltige Antriebsalternativen anzubieten. Neben Antriebsalternativen wie den verschiedensten Gasvarianten sind das vor allem elektrifizierte Nutzfahrzeuge. Die stehen inzwischen auch für das Baustellensegment, das in den meisten Fällen die Basis für ein Kommunal-Lkw bilden, zur Verfügung. So hat Daimler Trucks auf der letzten Bauma einen elektrifizierten Arocs vorgestellt und auch Hersteller wie MAN, Scania, Volvo Trucks oder DAF bieten batterieelektrische Baufahrzeuge. Für Fahrzeuge im Bauhofeinsatz eine absolut sinnvolle Alternative. Sie sind im Regelfall lediglich „rund um den Kirchturm“ mit entsprechend geringen Kilometerleistungen unterwegs. Distanzen, die sich auch mit kleineren Akkupaketen darstellen lassen.
Last but not least spielt natürlich auch die jeweilige Fahrerhausvariante eine nicht zu unterschätzende Rolle. In den wenigsten Fälle werden für den Kommunaleinsatz geräumige Fernverkehrsfahrerhäuser bestellt. Halblange Fahrerhäuser können dagegen eine sinnvolle Investition darstellen, weil sie es dem Fahrer ermöglichen, Schlechtwetterbekleidung oder Gummistiefel sowie kleinere handgeführte Arbeitsmaschinen wie eine Motorsäge sicher im Fahrerhaus unterzubringen.
Investitionen planen
Die Auflistung der Anforderungen macht deutlich, dass es im Vorfeld einer Investition einiges zu beachten gilt. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, bieten die Vertriebsmitarbeiter der Nutzfahrzeughersteller oder der Fahrzeugbauunternehmen, die mit dem Aufbau beauftragt werden, die erforderliche Unterstützung bei der Konfiguration des Fahrzeuges. Daneben unterstützen auf Wunsch auch externe Beratungsdienstleister bei der Auswahl und Konfiguration eines Lkw für den Kommunaleinsatz.
Stephan Keppler, Redaktion KommunalTechnik
Die Marktübersicht finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe unsere Fachzeitschrift KommunalTechnik. Außerdem steht sie hier als Tabelle für KommunalTechnik-Abonnenten zur Verfügung.