Mähfreier Mai

Bereits seit mehreren Jahren wird in einigen Kommunen der Region Hannover im Mai auf das Mähen zahlreicher öffentlicher Grünflächen bewusst verzichtet. Die Maßnahme dient dem Schutz heimischer Insekten und trägt zur ökologischen Aufwertung des Siedlungsraums bei, entlastet zudem öffentliche Finanzhaushalte der Kommunen.
Akkurat gestutzter Rasen erfreut das Auge vieler Mitmenschen, erhöht jedoch den CO2-Fußabdruck, sorgt für Aufwand bzw. einen vermeidbaren Ressourcenverbrauch und bietet eine oft nicht bedachte ökologische Gefahrenquelle. Insbesondere im meteorologischen Frühling brauchen Wildbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Frühblühende Wiesenkräuter, die ohne regelmäßige Mahd zur vollen Blüte gelangen, bieten diesen Tieren dringend benötigten Lebensraum und Futter. Zugleich profitieren auch Vögel und Kleinsäuger von dem erhöhten Nahrungs- und Strukturangebot.
Insekten schützen
Viele bestäubende Insektenarten gehören in der Ökologie zu den sogenannten R-Strategen. Das bedeutet, sie haben eine hohe Fruchtbarkeit mit vielen Nachkommen, aber kurzer Lebensdauer. Werden in dieser kurzen Periode elementare Brutstätten und Nahrungsangebote vernichtet, erholt sich die Population zwar nach und nach zu den nächsten Generationenzyklen, speziell im Frühjahr kann sich dies maßgeblich zum Nachteil des Menschen z. B. auf den Ertrag von abhängigen Obst- und Gemüsepflanzen auswirken. Alleine in Deutschland gelten etwa die Hälfte der rund 560 nachgewiesenen Wildbienenarten als bestandsgefährdet, bei vielen anderen Nützlingen sind die Bestände ähnlich bedroht. Honigbienen und Schmetterlinge stehen oft im Fokus, aber auch andere Insektenarten wie Fliegen, Mücken, Hummeln, Wildbienen und auch einige Käferarten sind ausschlaggebend für die Bestäubung.
Bürger informieren
„Der Verzicht auf das Mähen ist eine wirkungsvolle Maßnahme, die mit wenig Aufwand einen großen Effekt hat. Dank des engagierten Bauhofs konnten bereits viele wertvolle Rückzugsräume für Tiere in der Gemeinde Uetze erhalten werden. Die Mitarbeitenden achten sensibel darauf, welche Flächen geeignet sind, planen die Mähintervalle naturschutzgerecht und informieren interessierte Bürger und Bürgerinnen über den Sinn der Maßnahme. Ihr Einsatz trägt maßgeblich zum Erfolg dieser Aktion bei.“ – berichtet Jürgen Burdack, Sachbearbeiter für Umwelt- und Klimaschutz. „Wir laden auch Privatpersonen und Unternehmen dazu ein, sich am mähfreien Mai zu beteiligen. Wer seinen Garten oder Firmenrasen im Mai stehen lässt, schafft wichtige Trittsteinbiotope und unterstützt den ökologischen Verbund in unserer Gemeinde.“
Bodennahe Lebewesen schonen
Ist eine Mahd in Randbereichen aus Gründen der Straßenverkehrssicherungspflicht oder Schutz von Infrastruktur zwingend notwendig, hilft es die Mahdhöhe am Rasenmäher auf ca. 10-15 cm einzustellen. Dies schont bodennahe Lebewesen und vermindert versehentlichen Wurzelausriss. Auf größeren Flächen kann nach Möglichkeit das Mähgut für 2-3 Tage liegengelassen werden, damit Insekten aus diesem herausklettern und in Sicherheit bringen können. Auch Saaten haben die erhöhte Chance auf den Boden zu fallen. Dies stärkt langfristig die Vielfalt der Pflanzengesellschaften und stark auf Sämereien spezialisierte Vogelarten.
Gemeinde Uetze/cca