Hitzewellen: VDI empfiehlt kommunale Hitzeaktionspläne
Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat praxisnahe Expertenempfehlungen veröffentlicht, die Städten und Gemeinden konkrete Orientierung bei der Erstellung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen geben.
Die Datenlage verdeutlicht den langfristigen Trend: Lag die durchschnittliche Anzahl heißer Tage in der Klimanormalperiode 1961 bis 1990 noch bei 4,2 pro Jahr, hat sich dieser Wert im Zeitraum 1991 bis 2020 auf 8,9 Hitzetage mehr als verdoppelt. Als Hitzetag gilt ein Tag, an dem die Tageshöchsttemperatur mindestens 30 °C erreicht. In einzelnen Jahren der vergangenen Dekade wurden deutlich höhere Werte gemessen: 2018 waren es 20,4 heiße Tage, 2022 immerhin 17,3.
Gesundheitsrisiken und Handlungsbedarf
Anhaltende Hitze belastet das körpereigene Kühlsystem, fördert Dehydration und Elektrolytverlust und beansprucht das Herz-Kreislauf-System. Besonders ältere Menschen, Kleinkinder und chronisch Erkrankte sind gefährdet. Dennoch verfügten im Jahr 2025 lediglich 42 der insgesamt 406 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland über einen veröffentlichten Hitzeaktionsplan.
Der VDI empfiehlt Kommunen die Aufstellung und konsequente Umsetzung solcher Pläne. Eine flächendeckend verbindliche Verpflichtung besteht bislang nicht, obwohl der Hitzeschutz auf Bundes- und Länderebene zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Hitzeschutz ist präventiver Katastrophenschutz", erklärte der Vorsitzende des VDI-Gremiums „Hitzeaktionsplanung". Die VDI-Expertenempfehlungen VDI-EE 3787 Blatt 13.1 bis 13.3 bieten eine praxisorientierte Handreichung, die alle zentralen Aspekte eines Hitzeaktionsplans abdeckt.
Kurz- und langfristige Maßnahmen im Überblick
Die Empfehlungen umfassen sowohl unmittelbar umsetzbare als auch strukturelle Maßnahmen. Kurzfristig stehen die Minderung der Hitzebelastung in Innenräumen, die Aktivierung von Krisenstäben bei Hitzewarnungen sowie zielgruppenspezifische Kommunikation im Vordergrund. Langfristig sollen städtebauliche Konzepte – etwa die Begrünung von Städten – die Hitzebelastung strukturell reduzieren.
Bei einer Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sieht das empfohlene Verfahren eine Informationsweitergabe und Erstbewertung durch die Feuerwehr vor. Auf Basis eines Entscheidungsbaums wird anschließend geprüft, ob eine Gefahrenlage besteht und welche Maßnahmen greifen. Ingo Wobker, Stabsstellenleiter Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz der Stadt Duisburg, ordnet ein: „Hitzeaktionspläne sind ein wichtiger Baustein im kommunalen Krisenmanagement. Sie helfen uns, im Ernstfall schnell und koordiniert zu handeln."
Der VDI verweist zudem auf die Notwendigkeit einer harmonisierten Hitzeaktionsplanung, da der Begriff von Kommunen unterschiedlich ausgelegt wird. Eine Standardisierung soll Vergleichbarkeit und Umsetzungsqualität verbessern.
Die vollständigen VDI-Expertenempfehlungen VDI-EE 3787 Blatt 13.1 bis 13.3 stehen auf der Website des VDI zum Download bereit.