„Leasing schont Haushaltsmittel und schafft Flexibilität."
Bis Dezember 2030 müssen 65 % des kommunalen Fahrzeugbestands emissionsärmer oder gar emissionsfrei werden. So sieht es die Clean Vehicles Directive (CVD) vor. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen könnten alternative Finanzierungsformen für das Erreichen dieser Quote eine Lösung sein. Wir haben mit Udo F. Mann von der FML Leasinggesellschaft darüber gesprochen, worauf kommunale Betriebe achten sollten.
Herr Mann, Leasing ist in der Privatwirtschaft Standard – warum nutzen Kommunen diese Finanzierungsform so selten?
Das hat vor allem rechtliche Gründe. Viele Kommunalverfassungen verbieten Dauerschuldverhältnisse oder schränken sie stark ein. Leasing fällt in diese Kategorie, weil über mehrere Jahre feste Raten gezahlt werden. Hinzu kommt die europaweite Ausschreibungspflicht ab 214.000 €. Das bedeutet: Sobald dieser Schwellenwert überschritten wird, muss das gesamte Verfahren europaweit ausgeschrieben werden – nicht nur das Fahrzeug, sondern auch die Finanzierung. Das macht den Prozess aufwendig und langwierig.
Spielt der Aspekt, in welcher "Rechtsform" der Bauhof agiert, eine Rolle?
Ja, bei Bauhöfen, die als GmbH geführt werden, gelten die gleichen Regeln wie in der Privatwirtschaft. Das heißt: keine Einschränkungen durch Kommunalverfassungen, keine Ausschreibungspflicht unterhalb der EU-Schwelle. Das macht das Verfahren deutlich einfacher und schneller. Bei nicht eigenständigen Bauhöfen, die bspw. als Regiebetrieb geführt werden, ist hingegen bis 214.000 € eine vereinfachte Prüfung möglich, darüber hinaus wird es aufwendig. GmbH-Bauhöfe haben hier einen klaren Vorteil, weil sie flexibler agieren können.
Welche Vorteile bietet Leasing trotz der eventuellen. kommunalen Hürden?
Der zentrale Vorteil ist die Liquidität. Die Investitionssumme bleibt im Haushalt, stattdessen werden über die Laufzeit planbare Raten gezahlt. Das erleichtert die Haushaltsplanung erheblich. Außerdem entfällt bei der Fahrzeugwahl der Ausschreibungszwang, solange die Leasingsumme unter 214.000 € liegt. Technische Neuerungen lassen sich so schneller umsetzen, weil nicht erst Haushaltsmittel freigegeben werden müssen. Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit: Durch längere Nutzungszeiten und die Möglichkeit, Fahrzeuge nach Vertragsende weiterzunutzen oder zurückzugeben, lassen sich Ressourcen effizienter einsetzen. Kurz gesagt: Leasing schont Haushaltsmittel und schafft Flexibilität.
Mietkauf ist eine weitere mögliche alternative Finanzierungsform. Wo liegt der Unterschied zum Leasing?
Der entscheidende Unterschied liegt in der Bilanzierung. Beim Leasing schreibt der Leasinggeber das Fahrzeug ab, beim Mietkauf der Kunde selbst. Das hat steuerliche und bilanzielle Konsequenzen. Beim Mietkauf geht das Eigentum nach Zahlung der letzten Rate automatisch auf den Kunden über, beim Leasing besteht am Ende die Möglichkeit, die Nutzung zu verlängern, das Leasingobjekt zurückzugeben oder zu erwerben. Für Kommunen ist Leasing oft vorteilhafter, weil mehr Gestaltungsmöglichkeiten in der Finanzierung bestehen.
Die Investition in Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten werden oftmals nur durch entsprechende Förderprogramme möglich. Lassen sich diese mit einer Finanzierung über Leasing vereinbaren?
Ja, zunehmend. Früher war das ein Problem, weil viele Förderprogramme nur den Kauf unterstützten. Inzwischen erkennen aber immer mehr Programme Leasing als förderfähige Finanzierungsform an. Das gilt besonders für Programme zur Förderung alternativer Antriebe. Allerdings gibt es ein praktisches Problem: Die Auszahlung der Fördermittel erfolgt oft mit erheblichem Zeitverzug. Das bedeutet, dass die Kommune oder der Leasinggeber vorfinanzieren muss. Das bindet Liquidität und muss in der Kalkulation berücksichtigt werden.
Ist auch das Leasing von Gebrauchtfahrzeugen, die Umrüstungen von Fahrzeugen auf alternative Antriebe oder auch von Ladeinfrastruktur möglich?
Ja, das ist alles möglich. Gebrauchtfahrzeuge finanzieren wir, wenn sie technisch in gutem Zustand sind und noch eine ausreichende Restnutzungsdauer haben. Umrüstungen auf alternative Antriebe finanzieren wir ebenfalls, ebenso die dazugehörige Ladeinfrastruktur. Gerade bei der Transformation zu Elektro- oder Wasserstoffantrieben ist das relevant, weil die Investitionen oft höher sind als bei konventionellen Fahrzeugen. Die Ladeinfrastruktur lässt sich dabei separat finanzieren oder in den Gesamtvertrag integrieren.
Das Gespräch führte Mirja Schmatzler, Redaktion KommunalTechnik
Das kompletten Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe unserer Fachzeitschrift KommunalTechnik.