Hürth: Intelligente Abfallbehälter

Die Stadt Hürth hat mit ihrem Smart-City-Projekt „Intelligente Abfalleimer“ mit dem „Milesight Impact Award 2025“ ausgezeichnet.
Abfallbehälter mit Sensor
Abfallbehälter mit Sensor (Foto: Werksbild)

Die Stadt Hürth bei Köln hat mit ihrem Smart-City-Projekt „Intelligente Abfalleimer“ („Smart Waste Hürth“), das von dem RWTH-Startup dataMatters umgesetzt wurde, weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Jetzt wurde die Kommune gemeinsam mit der Hochschul-Ausgründung mit dem renommierten „Milesight Impact Award 2025“ ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich an Unternehmen und Kommunen mit einem weltweit sichtbaren Leuchtturm-Projekt vergeben. In den Vorjahren ging die Auszeichnung unter anderem nach Amsterdam, Singapur und London.

Das deutsche Projekt wurde gemeinsam von den Stadtwerken Hürth, dem Institut für Zukunfts­technologie IDiTech und der Firma dataMatters in Köln verwirklicht. Im Rahmen des IDiTech Neujahrsempfangs wurde der „Milesight Impact Award 2025“, nach der Begrüßung des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Prinz, von Dr. Daniel Trauth, Geschäftsführer von dataMatters, feierlich an den Vorstand der Stadtwerke Hürth AÖR, Stefan Welsch und an den Bürgermeister der Stadtverwaltung Hürth und gleichzeitig Beiratsvorsitzenden des IDiTech, Dirk Breuer, übergeben.

„Hürth ist ein Vorbild für Metropolen“

Der „Milesight Impact Award“ zeichnet unter dem Motto „Make Sensing Matter“ Projekte aus, bei denen Sensoren zur Erfassung der realen Welt eine Schlüsselrolle spielen. Im Fall von Hürth handelt es sich dabei um Ultraschallsensoren, die im Inneren von öffentlichen Abfallbehältern befestigt sind, dort den Füllstand messen und ihn dann mit einer speziellen Funktechnik an die Stadtwerke übermitteln. Dort werkelt in einem kommunalen Datenraum ein von dataMatters entwickeltes KI-System (Künstliche Intelligenz), das ermittelt, welche Route die Müllwagen zum Leeren der Behälter am besten nehmen sollten. Dadurch entfallen unnötige Fahrten zu leeren oder halbleeren Behältern und zugleich wird über­quellender Müll vermieden. Diese dynamischen statt festen Routen bringen der Stadt eine Kostenersparnis von rund 20 Prozent. Zudem werden die CO2-Emissionen um etwa 30 Prozent verringert. Rund 900 öffentliche Mülleimer stehen in Hürth, 200 sind bereits „intelligent“, weitere 50 sollen in Kürze hinzukommen.

„Die 60.000-Einwohner-Stadt Hürth ist mit diesem Leuchtturm-Projekt ein Vorbild für Metropolen“, sagt Dr. Daniel Trauth. Als Beispiel verweist er auf die Einführung von Mülltonnen in New York im letzten Jahr, statt den Müll wie zuvor üblich in schwarzen Säcken auf die Straße zu stellen. Dabei handelt es sich allerdings durchweg um „dumme Abfallbehälter“. „Hürth ist New York bei der Abfallent­sorgung einen Schritt in Richtung Smart City voraus“, erklärt Dr. Daniel Trauth, warum der prestigeträchtige „Milesight Impact Award 2025“ nach Hürth statt nach New York ging.

Übergabe
Übergabe "Milesight Impact Award 2025" Personen v.l.n.r.: Bürgermeister Dirk Breuer für die Stadt Hürth, Stefan Welsch, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Hürth, Dr. Daniel Trauth, Geschäftsführer der dataMatters GmbH (Foto: Julia Waldner, IDiTech e. V)

Smart City als Anwendungsfall für Real-World AI

Der RWTH-Absolvent Dr. Daniel Trauth ordnet ein: „Bei Smart Cities handelt es sich um eine Anwendung der sogenannten Real-World AI, also der Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der realen Welt.“ Er verweist auf Prognosen der Denkfabrik Diplomatic Council, wonach Real-World AI die Zukunft viel stärker bestimmen wird als die heute populären generativen KI-Modelle wie ChatGPT, Google Gemini oder Grok. Der globale Think Tank, der zum engsten Beraterkreis der Vereinten Nationen gehört, hat Dr. Daniel Trauth als Co-Chairman in die Führungsspitze des „Real-World AI Forum“ berufen.

Er erläutert das Prinzip anhand einer Smart City: „Sensoren erfassen, was in einer Stadt tatsächlich vor sich geht, und senden diese Informationen an einen kommunalen Datenraum, wo sie mittels Künst­licher Intelligenz ausgewertet werden. Auf die Ergebnisse können die zuständigen Verantwortungs­träger am PC oder Smartphone zugreifen und auf Basis dieser Fakten bessere Entscheidungen treffen als zuvor, wo es lediglich Annahmen gab. Die KI gibt dabei auch fundierte Prognosen über künftige Entwicklungen ab. So kann sie beispielsweise vorausschauend Umstände wie Stadtfeste oder verkaufsoffene Sonntage berücksichtigen, die das Abfallaufkommen beeinflussen.“

Dr. Daniel Trauth betont: „Hürth beweist, dass eine Smart City erstens nicht nur etwas für Metropolen ist, und zweitens keine Millionenbudgets benötigt.“ Sein Unternehmen hat unter dem Namen urbanOS ein kommunales Betriebssystem entwickelt, das die Realisierung einer Smart City besonders zügig und kosteneffizient nicht nur für Großstädte, sondern gerade auch für kleine und mittlere Städte sowie Landkreise ermöglichen soll. Da in dem Operating System viele Abläufe schon vorprogrammiert sind, sinken die Kosten. „Natürlich erhält jede Kommune ihre individuelle Lösung, aber die standardisierte Basis verkürzt die Entwicklungszeit und drückt die Kosten“, erklärt der Kölner Unternehmer.

msc/datamatters