Ausprobiert: Stihl Akkukettensäge MSA 220 C-B

Bei den Akku-Gartengeräten ist der technische Fortschritt der neuen Generationen enorm. Wir haben die neue Motorsäge MSA 220 C-B von Stihl ausprobiert.

Eine der am häufigsten gestellten Fragen im Zusammenhang mit Akkugeräten lautet: „Wann wird der Akku im Profieinsatz den Verbrennungsmotor ersetzen?“ In vielen Bereichen, wie zum Beispiel bei den Blasgeräten, ist das mittlerweile schon geschehen. Bei den Motorsägen setzen vor allem kommunale Baubetriebshöfe, Handwerker und Baumpfleger stark auf die neue Technologie. Neben der Tatsache, dass die Kraft per Knopfdruck - ohne lästiges Anziehen - immer sofort abrufbar ist, sind die deutlich geringeren Lärmemissionen ein großer Vorteil für diese Anwender. Allerdings bewegen sich fast alle bisherigen Akkusägen auf dem Markt im eher unteren Leistungsbereich.

Fällschnitt möglich
In die Klasse der Sägen mit einer Schienenlänge von 35 bis 40 cm dringt nun Stihl mit der MSA 220 C-B vor. Die Energie kommt von einem 36-V-Lithium-Ionen-Akku aus dem System „PRO“, um die volle Leistung abrufen zu können, muss laut Hersteller bevorzugt der Typ AP 300 S verwendet werden. Dieser hat eine Kapazität von 281 Wh, die Laufzeit beträgt in Kombination mit der Säge 45 min. Für viele Anwendungen ist das mehr als genug. Zu 100 % aufgeladen ist er mit dem Schnell-Ladegerät AL 500 in 45 min. (alles Werksangaben). Steht eine Stromquelle bereit und ist ein zweiter Akku vorhanden, kann also ununterbrochen gearbeitet werden.
Auffallend ist, wie schnell die MSA 220 C-B beschleunigt. Dies erweitert ihr Einsatzspektrum enorm. Neben Trennschnitten ist auch das Fällen von kleineren Bäumen möglich. Selbst das Entasten funktioniert erstaunlich gut. Die Charakteristik ist freilich eine völlig andere als bei einer Säge mit Verbrennungsmotor. Das Drehmoment ist über den gesamten Drehzahlbereich identisch. Drückt man die Säge aber unsensibel stark ins Holz, bleibt der Motor abrupt stehen. Bei einem Zwei-Takter sinkt ja zunächst die Drehzahl, bei der Akkusäge regelt die Elektronik ab. Man muss jedoch Stihl zu Gute halten, dass die Kette nicht ganz so plötzlich stehen bleibt, wie bei so manchen Wettbewerbsmodellen.
Leistungsangaben sind bei Akkusägen Fehlanzeige. Eine Orientierung bietet bisher nur die Kettengeschwindigkeit, die Stihl mit 24 m/s angibt. Damit bewegt sich die MSA 220 bei den Akkuprodukten im oberen Feld und braucht damit auch den Vergleich mit vielen Benzin-Motorsägen nicht zu scheuen. Und weil wir das genau wissen wollten, haben wir ihre Schnittleistung mit der der MS 201 von Stihl verglichen. Hierbei handelt es sich um eine Profisäge mit einem Hubraum von 35,2 cm³ und einer Leistung von 1,8 kW beziehungsweise 2,4 PS. Geschnitten haben wir in einem 28 cm dicken Birkenstamm, gestoppt wurde per Hand. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die durchschnittliche Zeit betrug bei der Akkusäge rund 15,5 s, bei der Profi-Benzinmotorsäge 15 s. Der Unterschied ist marginal und eigentlich zu vernachlässigen! Allerdings ist die MSA 220 inklusive Akku beinahe ein Kilo schwerer als die Benzinsäge.

 

Hohe Schnittleistung
Erstmals rüstet Stihl eine Akkusäge mit einer Vollmeißel-Kette vom Typ PS3 mit einer Teilung von 3/8‘‘ und einer Nutbreite von 1,3 mm aus. Bisher werden die Stihl-Akkusägen mit einer speziell hierfür entwickelten Kette mit einer Nutbreite von 1,1 mm angeboten. Diese passt hervorragend für die bestehenden Modelle, bei der MSA 220 trägt die PS3 aber einen wesentlichen Anteil für die hervorragende Schnittleistung der Säge bei. Außerdem ist sie nicht so filigran, was das Nachschärfen doch erleichtert.
Zu den Profi-Features der MSA 220 gehört die erhabene und zusätzlich aufgedruckte Markierung zum Peilen beim Fällschnitt sowie der werkzeuglos zu bedienende Tankverschluss. Der Öltank selbst ist teiltransparent ausgeführt. Wir empfehlen jedoch, bei jedem Akkuwechsel Kettenöl nachzufüllen, ähnlich wie man das bei einer Benzinmotorsäge beim Tanken macht. Die Säge hat eine Kettenschnellspannung. Auch hier wird also kein Werkzeug benötigt.
Von der Ergonomie gibt es nichts zu tadeln. Lediglich beim Fällschnitt muss die Hand etwas verdreht werden, um den Sicherungsknopf zu drücken. Aber dies ist dem geschuldet, dass der Gesetzgeber bei Elektrogeräten vorschreibt, dass ein zweiter Knopf aktiv bedient werden muss. Die bekannte Gashebelsperre reicht hier nicht aus.
Optisch macht die Säge einen wertigen Eindruck. Das Design ist europäisch geprägt, allerdings hätte es angesichts des Leistungsniveaus für unseren Geschmack ruhig etwas aggressiver ausfallen dürfen. Denn Understatement hat die MSA 220 C-M eigentlich gar nicht nötig.

 

Fazit:
Die MSA 220 C-B von Stihl kann sich in Sachen Schnittleistung durchaus an einer Profi-Benzinmotorsäge messen lassen. Ansonsten gibt es - wie von Stihl gewohnt - ein qualitativ hochwertiges Produkt mit einer funktionellen Ausstattung.

Johannes Hädicke, Redaktion KommunalTechnik
Fotos: Hädicke

Dieser Text ist inklusive der technischen Daten in der KommunalTechnik-Ausgabe 6/2019 erschienen. 

 

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