Baubetriebshof mit eigener Werkstatt
Einen Gemeinderat davon überzeugen, 2,5 Mio. € in die Hand zu nehmen und in eine neue Werkstatt zu investieren? Noch dazu eine Werkstatt, die nicht nur neu gebaut und ausgestattet werden muss, sondern die außerdem erhebliche Personal- und Betriebskosten nach sich zieht. Das klingt schwierig. Auch in der Stadt Sinsheim war dieses Ansinnen der Verwaltungsspitze dem Gemeinderat nicht so einfach zu vermitteln.
Klar, bei dringenden Reparaturen während des Winterdienstes oder bei einem Wasserrohrbruch sofort reagieren zu können, ist zweifellos ein starkes Argument für eine eigene Werkstatt. Auf der anderen Seite stehen die Haushaltsmittel, mit denen Kommunalpolitiker verantwortungsvoll umzugehen haben. Als die Stadtwerke Sinsheim ihre in die Jahre gekommene Werkstatt schließen wollten, setzte sich ein Team um Bürgermeister Kippenhan, damals noch Leiter des städtischen Amts für Infrastruktur, an einen Tisch und überlegte, wie ein Erhalt der Werkstatt inklusive eines neuen Werkstattgebäudes aussehen könnten und vor allem mit welchen Investitionskosten gerechnet werden musste.
Dabei spielte nicht nur das kurzfristige Reagieren auf Reparaturen im städtischen Fuhrpark eine Rolle, sondern vor allem die Wirtschaftlichkeit. „Werkstattstunden schlugen zu diesem Zeitpunkt bereits mit mindestens 100,- € zu Buche, Spezialwerkstätten waren noch einmal deutlich teurer“, so Bürgermeister Bernd Kippenhan, der als Dipl. Geologe gewohnt ist, den Dingen respektive den Kosten genau auf den Grund zu gehen.
Durch eine Reparatur in Eigenregie dürften auch die für Ersatzteile entstehenden Kosten durch einen Zentraleinkauf mit entsprechenden Rabatten deutlich geringer ausfallen als bei einer Reparatur durch externe Werkstätten. Umgerechnet auf den Werkstattbedarf des rund 100 Fahrzeuge umfassenden städtischen Fuhrparks wurde schnell klar, dass der Neubau einer Werkstatt auch vor dem Hintergrund einer Investitionssumme von rund 2,5 Mio. € eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Entscheidung für die Stadt Sinsheim darstellen würde.
Gemeinsame Planung
Nachdem die erste „grob kalkulierte“ Investitionssumme und die jährlichen Kosten für die neue Werkstatt mit zweieinhalb Planstellen ermittelt waren, konnte der Gemeinderat von den Vorteilen überzeugt und das Projekt planerisch auf den Weg werden. Der vielseitige Fuhrpark und das weit gestreckte Spektrum an Wartungs- und Reparaturarbeiten war bereits in der Planungsphase eine Herausforderung. „Der Fuhr- und Maschinenpark der Stadt Sinsheim reicht vom handgeführten Rasenmäher über Geräteträger, Pkw und Traktoren mit komplexen Anbaugeräten bis hin zum 3-Achs-Lkw. Dazu kommen zahlreiche Baumaschinen, wie Bagger, Radlader und Maschinen zur Bodenverdichtung“, fasst Werkstattmeister Daniel Roth den kommunalen Fuhrpark zusammen.
Basis für eine wirtschaftliche Reparatur dieser Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen ist ein intelligent geplantes Werkstattgebäude, dass allen Reparaturanforderungen gerecht wird. Um einer solchen Planung gerecht zu werden, wurden neben den Bauspezialisten der Stadt auch die Werkstattpraktiker bereits in einer sehr frühen Planungsphase mit einbezogen. „Zunächst ging es darum, einen Grundriss zu entwickeln, der den verschiedenen Anforderungen an das Gebäude gerecht wird“, erläutert Bürgermeister Bernd Kippenhan, der als Leiter der Tiefbauabteilung der Stadt Sinsheim zahlreiche Bauprojekte planerisch begleitet hat. Als ehemaliger Handballtrainer ist er außerdem überzeugter Teamplayer, der weiß, wie wichtig es ist, die Mitarbeitenden in die Planung einzubeziehen.
Im Fall des Werkstattneubaus war das – neben Werkstattleiter Daniel Roth bzw. Frank Kurzenhäuser – auch Mitarbeiter Marco Beck. In einem ersten Schritt ging es darum, festzulegen, welche Technik in dem neuen Gebäude untergebracht werden muss. Um ein Maximum an Flexibilität in den Reparaturabläufen zu gewährleisten, fiel die Entscheidung auf insgesamt vier Reparaturplätze, von denen zwei mit einer Hebebühne ausgestattet sind und einer mit einer durchgehenden Grube.
Ausstattung mit Fertiggrube
Eine der Werkstattbahnen ist als Durchfahrtsbahn ausgeführt und mit einer Fertiggrube ausgestattet. Die Grube eignet sich für nahezu alle Fahrzeuge. Lediglich Schmalspurgeräteträger und Schmalspurtraktoren müssen eine der beiden weiteren Werkstattbahnen nutzen. Die Grube befindet sich auf dem neusten technischen Stand. Sie verfügt neben den obligatorischen Strom- und Druckluftanschlüssen auch über einen über die gesamte Grubenlänge verfügbaren Hebezylindern sowie einen Getriebeheber. Dazu kommt ein 700 l fassender Altölauffangbehälter. Um ein Maximum an Arbeitssicherheit zu gewährleisten, ist die Fertigbaugrube des Herstellers Balzer mit einer automatischen Grubenabdeckung ausgestattet. Eine Besonderheit dieses Features: Wenn die Abdeckung per Knopfdruck geöffnet werden soll, schaltet sich zunächst ein Absauggebläse an, das für rund zwei Minuten die Luft in der Grube und damit auch Dünste, die sich gebildet haben, absaugt.
Stephan Keppler,
Redaktion KommunalTechnik
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