Salz, Splitt und Schneematsch

Schnee gibt es im Harz meist reichlich, doch Schnee bedeutet auch viel Arbeit für die Winterdienstmannschaften. Die Redaktion KommunalTechnik hat die Fahrer des Baubetriebshofs Clausthal-Zellerfeld bereits im Jahr 2015 begleitet.

 

Andreas Böhm, technischer Leiter des Baubetriebshofs, erklärt: „Wir sind stolz darauf, dass unsere Mannschaft schnell einsatzbereit ist. Bis zu den ersten richtigen Schneefällen sind unsere Mitarbeiter in Rufbereitschaft und erledigen Arbeiten auf den Straßen, oder in der Werkstatt. Ist jedoch Schnee vorhergesagt, dann müssen wir die Maschinen schnell umrüsten.“

Das Umrüsten geschieht zentral im Baubetriebshof und betrifft sämtliche Räumfahrzeuge, die über das Jahr hinweg für den normalen Straßendienst im Einsatz sind. Die Fahrzeugflotte des Winterdienstes umfasst 37 Fahrzeuge, die von etwa 50 Mitarbeitern bewegt werden. Zu den großen Fahrzeugen wie Unimog, Radlader, Traktoren, oder Lkw, kommen diverse Kleingeräte wie handgeführte Fräsen hinzu. Eine hohe Anzahl von Maschinen und Mitarbeitern ist unerlässlich, denn der Baubetriebshof kümmert sich nicht nur um Clausthal-Zellerfeld mit dem Ortsteil Buntenbock, sondern auch um die Mitgliedsgemeinden Altenau mit Torfhaus und Schulenberg sowie Wildemann. Da die Gemeinden bis zu 15 km entfernt liegen, gibt es dort Stützpunkte mit entsprechender Räumtechnik. Neben den Straßen innerorts muss der Schnee auf Schulhöfen, bei Kindergärten, vor Feuer- und Rettungswachen sowie Müllumschlagstationen geräumt werden.

Hindernisse im Schnee

Dass dies nicht immer ganz einfach ist, davon konnten wir uns an diesem Tag selbst überzeugen. Etwa 30 cm Schnee bedeckten die Straßen, Wege und Fahrzeuge. Gerade Pkw werden häufig zum Problem: Die Räumfahrzeuge können nicht die komplette Straße räumen, sondern müssen den Schnee vor geparkten Autos abladen, dieses umfahren und dahinter erneut ansetzen. Wird dieses Fahrzeug bewegt, bleiben große Schneewangen auf den Straßen zurück. „Dies ist leider immer wieder ein Problem, mit dem unsere Mitarbeiter zu kämpfen haben. Diese Hindernisse beseitigen wir dann bei der nächsten Tour“, sagt Andreas Stephan. Er ist einer von zwei beschäftigten technischen Meistern des Baubetriebshofs, die maßgeblich an der Organisation des Winterdienstes beteiligt sind.

Wir sprechen uns ab, um zu klären wo Verbesserungen nötig sind.

Jedes Fahrzeug räumt und streut in Clausthal und den umgebenden Gemeinden eine feste Route. Warum sich dieses System etabliert hat und welche Vorteile es bietet, das erklärt Andreas Böhm: „Zunächst ist die Dokumentation der abgefahrenen Strecken mit den Touren möglich, denn wir wissen immer genau welche Straßen in welcher Reihenfolge geräumt werden müssen. Zu Beginn sind die Hauptstraßen dran, es folgen wichtige Zufahrtswege und schließlich sind die Nebenstraßen an der Reihe. Insgesamt 130 km befahren wir so. Die Einteilung vereinfacht unseren Mitarbeitern die Arbeit, denn sie wissen, welche Straßen breit genug für den Lkw oder Unimog sind.“

Dass der Winterdienst in Clausthal so gut funktioniert basiert auf der langjährigen Erfahrung. In jedem Frühjahr setzten sich alle Beteiligen an einen Tisch und üben Manöverkritik. Andreas Stephan erklärt dazu: „Wir sprechen uns ab, um zu klären wo Verbesserungen nötig sind, ob wir beispielsweise etwas an den Routen der Fahrzeuge ändern müssen. Außerdem diskutieren wir darüber, ob wir in neue Technik investieren. In unserem Team arbeiten viele verschiedene Handwerker und so können wir glücklicherweise viele Arbeiten selbst erledigen. Unsere zwei Schlosser beheben kleinere Schäden schnell in unserer eigenen Kfz-Werkstatt und sollten größere Defekte aufgetreten sein, befindet sich die nächste Fachwerkstatt in Osterode beziehungsweise Vienenburg.“

Qualität geht vor Preis

Als Eigenbetrieb ist der Baubetriebshof autorisiert selbst zu entscheiden, wann es nötig ist in neue Technik zu investieren. Im Wirtschaftsplan ist festgelegt, über welches Budget verfügt werden kann. Bei der Beschaffung spielt der Preis zwar eine wichtige Rolle, jedoch ist die Qualität entscheidend. „Was bringt uns ein Schlepper oder sonstiges Gerät, welches nur ein Jahr den Winterdienstanforderungen bestehen kann und danach defekt ist“, meint Andreas Böhm: „Wir wägen außerdem ab, wann es nötig wird eine Maschine zu ersetzen − dies ist spätestens dann der Fall, wenn sich die Reparaturen häufen oder die geleisteten Betriebsstunden einen Ersatz erfordern.“ Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ist wichtig, genauso wie das vorhandene Händlernetz.

Zum Winterdienst, gehört neben der Technik, auch geeignetes Streumaterial. In Clausthal wird Streusalz verwendet, das in zwei Streusalzsilos mit einem Gesamtvolumen von 100.000 gelagert wird. Diese Menge reicht jedoch keinesfalls für einen Winter aus, denn oft muss von Oktober bis in den April hinein gestreut werden. Im Schnitt verbraucht die Stadt 700 t Streusalz, 100 t Sacksalz und etwas über 200 t Split. Damit die Salzlager immer gut gefüllt sind, kümmert sich Andreas Böhm mit seinen Mitarbeitern rechtzeitig um die Ausschreibung und meist steht schon im Sommer fest, welcher Lieferant den Zuschlag für die Lieferungen im Winter erhält: „Als vor einigen Jahren viele Kommunen mit leeren Streusalzlagern zu kämpfen hatten, waren unsere Lager gut gefüllt. Doch leider haben wir es nicht immer mit zuverlässigen Vertragspartnern zu tun und die eine oder andere Lieferung verzögert sich. Dies liegt häufig auch daran, dass die schwer beladenen Silozüge der Speditionsbetriebe die Anfahrt in den Oberharz unterschätzen, denn unsere Stadt liegt auf etwa 600 m über NN.“

Nachts hat man seine Ruhe. Da gibt es keine meckernden Anwohner und wenig Autos, die unsere Arbeit behindern.

Während Andreas Böhm für die Planung zuständig ist, organisiert Andreas Stephan und sein Kollege Peter Kleemann die Arbeiten vor Ort. Er hat den Füllstand des Salz- und Splittlagers im Blick und ordert rechtzeitig Nachschub. Ist für eine Nacht, wie bei unserem Besuch, Schneefall angekündigt, sorgen sie dafür, dass alle Mitarbeiter rechtzeitig im Einsatz sind. Diese sind in Rufbereitschaft und starten ihre Arbeit um 2 Uhr; bei starkem Schneefall bereits um Mitternacht.

Schneeschild gegen Schneeschaufel

In dieser Nacht ging es um 2 Uhr los, doch trotz des frühen Arbeitsbeginns ist dies den Mitarbeitern lieber, als die Arbeit am Morgen. So berichtet Timo Becker, der an diesem Tag mit einem MAN-Lkw und 4-m-Räumschild unterwegs ist: „Nachts hat man seine Ruhe. Da gibt es keine meckernden Anwohner und wenig Autos, die unsere Arbeit behindern. Tagsüber haben wir leider häufig mit Bürgern zu tun, die gar nicht mit unserer Arbeit zufrieden sind.“ Die Gründe für die Unzufriedenheit sind nicht immer nachvollziehbar. Häufigster Grund ist, dass der Räumdienst vermeintlich zu spät sei. Jedoch ist klar, dass zunächst die Hauptstraßen geräumt werden müssen, bevor kleine Seitenstraßen dran kommen. Den Ärger einiger Anwohner konnten wir an diesem Tag miterleben und konnten sie sogar ein wenig verstehen: Da haben sie mühsam über Stunden den Bürgersteig und ihre Einfahrt freigeschaufelt und plötzlich macht das Räumfahrzeug die ganze Arbeit in Sekunden zunichte. Doch Timo Becker klärte einen verdutzt schauenden Anwohner schnell auf: „Machen Sie sich keine Sorgen, gleich kommt der Radlader und schiebt Ihre Einfahrt wieder frei!“ Dies ruft er mit guter Laune häufig aus seinem Fenster und erklärt: „Hier in dieser Straße mussten wir den Bürgersteig zupflügen, damit auf der Straße genügend Platz für die Autos bleibt. Da es hier um die Kurve geht, wäre das sonst zu gefährlich.“

Schnee bis in den August

Angesichts des hoch aufgetürmten Schnees stellt sich schnell die Frage was passiert, wenn es noch weiter schneit, denn bereits jetzt ist kaum noch Platz am Straßenrand. Andreas Böhm kennt das Problem: „Wenn es noch weiter schneit, dann müssen wir den Schnee abfahren. Das bedeutet, dass wir zum Teil mit acht Lkw und Radladern den Schnee aus den Straßen holen. Wir verhängen dafür vorher ein absolutes Parkverbot und nachts geht es dann los. Den Schnee lagern wir auf Plätzen außerhalb der Stadt, wo er häufig bis in den Sommer liegen bleibt. Leider ist eine solche Aktion extrem teuer, denn durch den Maschineneinsatz und Personalkosten kommen wir schnell auf 50.000 € in nur zwei Tag- und Nachteinsätzen. Leider ist eine solche Aktion manchmal unvermeidlich.“

Die Kosten für den Winterdienst sind in der Gebühr für die Straßenreinigung enthalten. Der Baubetriebshof ist bestrebt die Gebühr möglichst stabil und gering zu halten, doch über eine Erhöhung kann im folgenden Frühjahr diskutiert werden. „Wir wollen keine unnötigen Überstunden leisten, doch auch in einem milden Winter haben wir Personalkosten“, erklärt Andreas Böhm: „Die Kosten für das Salz machen nur einen Teil der Kosten aus. Ein Winter mit wenig Schnee bedeutet nicht weniger Schäden an den Straßen, denn es ist nicht das Salz, das Schäden verursacht. Vielmehr ist der ständige Wechsel von Frost und Tauwetter dafür verantwortlich, dass die Asphaltdecke aufplatzt. Zumal in vielen Straßenzügen noch alter Unterbau aus Schotter oder Packlager vorhanden ist, der sich frostempfindlich darstellt.“ Salz einzusparen ist dennoch ein Ziel und es gilt daher auf geraden Straßen weniger Salz und stattdessen Split zu streuen. Sole oder Feuchtsalz wurde bereits getestet, aber nicht mehr eingesetzt. Der Vorteil der Liegedauer bei diesen  Streuformen ist nicht entscheidend, da nur innerorts gestreut werden muss und keine hohen Geschwindigkeiten des fließenden Verkehrs das Streumittel verwehen. 

Wenn es noch weiter schneit, dann müssen wir den Schnee abfahren.

Im Sommer sind die Mitarbeiter mit Straßeninstandsetzungsarbeiten, Grünflächenpflege, Baum- und Gehölzschnitt sowie anderen handwerklichen Tätigkeiten sowie Maschineninstandsetzung beschäftigt und ausgelastet. „Glücklicherweise sind wir in unserem Team gut aufgestellt. Durch die gelernten Fachkräfte - Tischler, Zimmerleute, Maler, Maurer, Straßenbauer, Gärtner, Forstwirte oder Schlosser - können wir viele Arbeiten gut erledigen. Hinzu kommt die Erfahrung unserer Mitarbeiter, denn sie arbeiten oft schon viele Jahre in unserem Baubetriebshof. In Zukunft könnten wir Probleme bekommen, wenn es uns nicht gelingt offene Stellen mit gelernten Fachkräften zu besetzten. So weit ist es jedoch noch nicht“, sagt Andreas Böhm abschließend.

Maren Schlauß,
Redaktion KommunalTechnik

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Zeitschrift KommunalTechnik Ausgabe 1 Jan./Feb. 2015.