Schneverdingen - Dank Blühmischung mehr Ruhe auf der Fläche

Aufgrund des zunehmenden Mangels an Facharbeitern mussten in der Grünfläche auch neue Lösungen gefunden werden. „Eine dieser Lösungen ist bei uns in Schneverdingen die Blühmischung auf bestimmten Grünflächen“, schildert Gärtnermeister Matthias Reimers.
Ein spezieller Heidegarten von 2 ha mit rund 150 bis 170 verschiedenen Heidesorten ist ein Aushängeschild Schneverdingens.

Die Heideblütenstadt Schneverdingen mit ihrer Fläche von 234 km² zählt in der Kernstadt und den zehn Ortsteilen 19.000 Einwohner. Im Sommer, speziell im August zur Heideblüte, bevölkern zudem tausende Touristen Stadt und Umgebung. Entsprechend hohe Priorität hat die Grünflächenpflege, und im Fall Schneverdingen sind damit auch die Heideflächen gemeint. Insgesamt stehen dem Bauhofleiter Thomas Krieg 30 Mitarbeiter zur Verfügung für das klassische Aufgabenspektrum eines Bauhofes. Allein in der Grünpflege sind vier Kolonnen mit 13 Mitarbeitern unterwegs. Zu bearbeiten sind ca. 110.000 m² intensiv gepflegte Rasenflächen, 21.500 m² Rabatten mit jährlichem Rückschnitt und die Herstellung von Lichtraumprofilen mit einer jährlichen Leistung an ca. 15 km Gemeindestraßen.
Als eine der Herausforderungen gerade in der sensiblen Grün- und Heidepflege hat sich in den letzten Jahren der Facharbeitermangel herauskristallisiert. Einmal durch wachsende Neubaugebiete, aber insbesondere durch wachsende Ansprüche mit Blick auf den Tourismus. Eine Rolle spiele dabei auch die Mitgliedschaft der Stadt Schneverdingen im Netzwerk Cittàslow*.

Um den Pflegeaufwand zu reduzieren und mehr Farbe in die Stadt zu bekommen, werden in Schneverdingen Blühmischungen mit Erfolg ausgesät.

Lösungen für weniger Pflegeaufwand
Ein innerstädtischer Park von 5 ha gehört ebenso dazu wie ein 2,7 km² großes Moorgebiet - und eben die Heidefläche inklusive eines speziellen Heidegartens von 2 ha, zweifellos ein Aushängeschild von Schneverdingen. Auf dieser Fläche befinden sich rund 150 bis 170 verschiedene Heidesorten. Dieser Heidegarten muss immer tipptopp sein, denn in der Saison ist die Heide das ultimative Ausflugsziel der Touristen. Das heißt, keine Kahlstellen, kein Unkraut, und der richtige Schnitt, damit die Heide blüht.
Aufgrund des zunehmenden Mangels an Facharbeitern mussten in der Grünfläche auch neue Lösungen gefunden werden. „Eine dieser Lösungen ist bei uns in Schneverdingen die Blühmischung auf bestimmten Grünflächen“, schildert Gärtnermeister Matthias Reimers. „Angefangen hat das vor fünf Jahren auf Kreiseln, um den Pflegeaufwand zu reduzieren und auf der anderen Seite mehr Farbe in die Stadt zu bekommen“, ergänzt Thomas Krieg. Diese Maßnahme hat sich als Erfolgt gezeigt, so dass weitere Flächen angesät wurden. Matthias Reimers probiert zusammen mit einer Projektgruppe immer mal wieder neue Blühmischungen aus, zunehmend auch naturnahe, bienenfreundliche Mischungen. Diese Flächen werden im März angesät, meist mit einjährigen oder aber auch mehrjährigen Blühmischungen. Dann folgen ein bis maximal zwei Pflegegänge, wie Unkrauthacken sowie Bewässerung, und im Herbst wird gemäht. Das Ergebnis: Im Sommer ist einige Monate Ruhe auf der Fläche. Die Blühpflanzen würden recht bald das Unkraut unterdrücken und damit den Pflegeaufwand im Sommer deutlich senken oder sogar überflüssig machen, ergänzt Matthias Reimers. Diese Blühmischungen hätten mittlerweile auch die Fahrbahnteiler und Verkehrsinseln erobert, mit dem Ergebnis schönere Optik, weniger Pflegeaufwand und auch weniger Gefährdung des Pflegepersonals am Rande des fließenden Verkehrs.
„Dadurch haben wir Arbeit reduziert und gleichzeitig etwas für das Auge der Bürger und Touristen getan“, meint Thomas Krieg zufrieden. Allerdings müsse man auch damit leben, dass zwischen den Blüten auch mal Maulwurfshügel auftauchen, die früher abgeschleppt wurden, ergänzt Matthias Reimers.
Nicht gewöhnen wolle man sich – so Krieg – an die zunehmende Vermüllung der Landschaft. „Wir müssen in der Saison regelmäßig Müll von Grünflächen absammeln, natürlich auch am Wochenende. Das summiere dann zusätzlich Arbeitsstunden der Kollegen, meint der Bauhofleiter. Durch die Blühwiesen ließe sich zwar Pflegeaufwand reduzieren, den Fachkräftemangel könne diese Maßnahme aber nur zum Teil mildern. „Wir engagieren uns auch beim Thema Inklusion. Aktuell gefördert durch die Aktion Mensch, wird ein 4 wöchiger Praktikumsplatz im Bauhof zur Verfügung gestellt für eine Person mit Teilhabeeinschränkung“, schildert Thomas Krieg.

Bauhofleiter Thomas Krieg (links) und Gärtnermeister Matthias Reimers

Kunstrasen statt Gras
Nun kann auch die Technik helfen, in der Grünpflege Arbeitskräfte effizient einzusetzen. Wo es geht, werden Großflächenmäher eingesetzt. Für die Sportflächen ein Großflächenmäher mit Spindelmähwerk (Ransomes Commander 3520) und für die übrigen Flächen ein Geräteträger (Belos Trans Giant mit einem Triplex Sichelmähwerk B0321). Eine Möglichkeit, den Pflegeauswand zu senken, ist die Umgestaltung von Gras auf Kunstrasen. Schneverdingen hat derzeit eine Sportfläche auf diese Weise umgestaltet.
Wichtig bei all‘ diesen Arbeiten ist eine stimmige Kalkulation der Arbeitszeit wie auch der Kosten. Der Bauhof Schneverdingen nutzt hierfür seit 2014 das Programm „Ares“. Alle Arbeitsarten wurden in einen Leistungskatalog eingepflegt. Darin werden seitdem alle Kosten erfasst. „Wir wissen nicht nur, was uns ein Ortsteil kostet, sondern wir kennen auch die Kosten einer Straße oder eines Objektes, wie den Heidegarten“, schildert Thomas Krieg. Ebenso kann nachgewiesen werden, welche Kosten für illegalem Müll angefallen sind und vom Bauhof im Jahre 2017 entsorgt wurden, und ob der Aufbau des Wochenmarktes Geld gekostet oder gebracht hat.  Die Mitarbeiter dokumentieren derzeit noch auf Papier ihre Arbeiten. Dies – so Krieg – soll demnächst auf mobile Geräte überführt werden.

Autor: Hans-Günter Dörpmund, Redaktion KommunalTechnik

Fotos: Stadt Schneverdingen

 

*Die Stadt Schneverdingen ist seit 2016 national und international Mitglied bei Cittàslow entschleunigte Stadt; italienisch città = Stadt, englisch slow = entschleunigen). Siehe www.citta-Slow.de
Das ist eine Bewegung, die 1999 in Italien gegründet wurde. Hauptziele sind die Verbesserung der Lebensqualität in Städten und das Verhindern der Vereinheitlichung. Die Kriterien erstrecken sich auf die sieben Themenbereiche Umweltpolitik, Infrastrukturpolitik, urbane Qualität, Aufwertung der einheimischen Erzeugnisse, Gastfreundschaft, Bewusstsein und landschaftliche Qualität. Die Mitgliedschaft erfordert auch einen jährlichen Beitrag an die Organisation.



 

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