Erstes Exklusiv Interview Unimog U 20

Unimog will mit demneuen U 20 die 8 to-Klasse besetzen.Seine Premiere hatte er auf der IAA Nutzfahrzeuge im September in Hannover. Der U 20 ist der Neue und mit 7,5 bis 8,5 to der Kleinste in der Unimogfamilie. Mercedes Benz will ab 2008 mindestens 400 Einheiten pro Jahr davon verkaufen. Was zeichnet den U20 aus und wem soll er Paroli bieten? KommunalTechnik hatte als erstes Magazin Gelegenheit, mit Entwicklern und Vertriebsmanagern über Technik und Potenzial vom U 20 zu reden.

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Rainer Thomas, Teamleiter in der Unimog-Entwicklung und Gesamt-Projektleitung U 20 (i. Bild unten) und Wulf Aurich, Produktmanager Öffentlicher Dienst (i. Bild oben).

KT: Auf den ersten Blick fällt das Fahrerhaus des U 20 auf. Keine typische Unimog-Optik mehr. Besonders die bekannte „Unimog-Schnauze“ fehlt. Warum diese Veränderungen?Rainer Thomas, Teamleiter in der Unimog-Entwicklung und Gesamt-Projektleitung U 20: Das Fahrerhaus kommt aus unserem LKW-Werk in Brasilien. Dort wird der Mercedes Benz Accello für den südamerikanischen Markt gebaut, und dessen Fahrerhaus nutzen wir jetzt für den U 20. Das Design wurde innen und außen leicht verändert und den Unimog-Anforderungen angepasst. Gebaut wird der U 20 – wie auch die anderen Unimog-Baureihen - im DaimlerChrysler Werk in Wörth.KT: Nicht nur die Optik, auch das Material für das Fahrerhaus wurde gewechselt. Moderner Faserverbundwerkstoff auf der einen Seite beim U 300, jetzt das Fahrerhaus des neuen U 20 aus Stahl. Ist das nicht ein Rückschritt?Thomas: Wir wollen beim Unimog robustes Material mit hoher Festigkeit und es darf nicht rosten. Das Fahrerhaus kommt aus der Großserienfertigung und ist zu 90 Prozent verzinkt. Es erfüllt damit insbesondere unsere Anforderungen an den Korrosionsschutz im Winterdienst und bringt darüber hinaus erhebliche Kostenvorteile mit sich. KT: Die Kabine bietet 3 Personen Platz. Ist das heute noch gefordert oder überwiegt nicht auch in der Kommune die Ein-Mann-Arbeit?Thomas: Im Winterdienst ist die Ein-Mann-Arbeit Alltag, aber im Sommer macht eine Kabine für 3 Personen grundsätzlich Sinn.Wulf Aurich, Produktmanager Unimog: Wir sehen im U 20 nicht das professionelle Mähfahrzeug, das 6 Monate im Jahr ausschließlich mäht. Dafür sind der U 300 oder U 400 prädestiniert. Der U 20 ist der Geräteträger für gelegentliche Mäharbeiten im kommunalen Bauhof. Häufig wird er als Transportfahrzeug für Mulch- und Heckenschnitt und im Winterdienst mit Schneepflug und Streuautomat eingesetzt. Die skizzierten Arbeiten machen es erforderlich, dass häufig mehrere Personen mitbefördert werden müssen.

Radstand 38 cm kürzer als der U 300 KT: Wo liegen weitere Unterschiede zur 100er Baureihe?Thomas: Der Radstand vom U 20 ist um 38 cm kürzer und beträgt jetzt 2,70 m. Trotzdem wollten wir den Aufbauraum möglichst groß halten. Daher haben wir uns für das Frontlenker-Konzept entschieden. Der Aufbauraum bietet Platz für eine 2,25 m lange Pritsche, ist also nur um 25 cm kürzer als beim U 300. Zwischen Fahrerhaus und Pritsche haben wir eine Multifunktionsbox z. B. für Kleingeräte, Werkzeug oder Kleidung angeordnet.Aurich: Mit dem verkleinerten Radstand erreichen wir eine besonders hohe Wendigkeit. Bauhof-Fahrzeuge für Gemeinden haben oft enge Verkehrsverhältnisse. Daher der kurze Radstand mit einem Wendekreis von nur 12,80 m, also fast einen Meter weniger als beim U 300. KT: Welche Motorisierung wird geboten?Thomas: Der U 20 wird von einem 4-Zylinder Euro 4-Motor, 4,25 Liter Hubraum, angetrieben mit 156 PS und 610 Nm Drehmoment. KT: Braucht der U 20 einen Rußpartikelfilter?Thomas: Nein, der Motor ist wie bei allen Mercedes-Benz Lkw mit dem BlueTec-System ausgerüstet. Der OM 904 LA wurde optimiert im Hinblick auf extrem niedrige Rußemissionen. Die Stickoxide (NOX) werden dann durch die Zugabe von AdBlue (wässrige Harnstofflösung) im Katalysator in Stickstoff und Wasser umgewandelt. Ersatz für alte 5 bis 9 TonnerKT: Wen soll der U 20 verdrängen bzw. ersetzen?Thomas: Ziel ist ein Allround-Fahrzeug für den kommunalen Bauhof..Wir bieten eine Alternative für die vielen tausend Unimog zwischen 5 to und 9 to zulässigem Gesamtgewicht, die seit vielen Jahren in der Kommune im Einsatz sind. Das sind z.B. der U 900, U 130 sowie U 1000 - U 1400. Diese Fahrzeugtypen müssen in den kommenden Jahren ersetzt werden.KT: Der aktuelle Typ U 300 wird mit dem neuen U 20 also nicht angetastet?Thomas: Nicht durch den U20, denn der kleinste Unimog der aktuellen Baureihe hat 10,2 to Gesamtgewicht. Der U 20 wird als „Kleiner“ neu in die Geräteträger-Familie aufgenommen. Wir sehen vom Einsatzprofil her eine klare Abgrenzung zum U 300.KT: Wie groß ist der Bestand an alten Unimog in Deutschland?Aurich: Allein in der Bundesrepublik laufen rund 20.000 Unimog, die zwischen 5 – und 20 Jahre „auf dem Buckel haben“. KT: Wie viele dieser Altfahrzeuge wollen Sie denn mit dem U 20 jährlich ersetzen – bzw. mit welcher verkauften Stückzahl per anno rechnen Sie?Aurich: Wir gehen davon aus, dass wir mindestens 400 - 500 Fahrzeuge pro Jahr absetzen können, zusätzlich zu den schon bestehenden Baureihen vom Unimog. Die Hälfte davon dürfte allein in den deutschen Markt gehen. Das heißt: Deutschland ist der Kernmarkt und die wichtigste Zielgruppe ist dabei der kommunale Bauhof. Wir sehen allerdings auch Zusatzpotenziale im Bereich Garten- und Landschaftsbau.

Haupteinsatz im Winterdienst KT: An welche Einsatzgebiete im kommunalen Bauhof denken Sie?Thomas: In erster Linie sehen wir den U 20 im Winterdienst-Einsatz, in der Kombination Schneepflug und Streugerät. Hinzu kommen weitere kommunale Anwendungen, wie bspw. Mähgeräte im Frontanbau für Randstreifen oder Böschungen mit Auslegern von 4 bis 5 m. Der Antrieb erfolgt hierbei über eine leistungsstarke Frontzapfwelle, welche die volle Motorleistung übertragen kann. Aurich: Wichtig für den Winterdienst ist die überlegene Unimog-Fahrwerkskompetenz mit Permanentallrad, Differenzialsperren in den Achsen und im Verteilergetriebe, Einzelbereifung mit Schneeketten sowie ABS.KT: Bestehen auch für den U 20 die gleichen Gerätepartnerschaften wie für die anderen Unimog Baureihen? Können die gleichen Geräte genutzt werden?Aurich: Es können vorhandene Geräte von den Unimog-Typen U900, U 130 sowie U 1000 – U 1400 eingesetzt werden. Bis zum Serienstart werden weitere innovative Geräte von unseren bewährten Gerätepartnern zur Verfügung stehen. KT: Wann ist denn der Serienstart des U 20 zu erwarten?Aurich: Gebaut wird der U 20 ab dem Spätherbst 2007, und die Auslieferung der ersten Kundenfahrzeuge wird ab Januar 2008 erfolgen. KT: Warum erst 2008?Aurich: Das „grüne Licht“ für die Entwicklung des leichten Unimog-Geräteträgers erfolgte im März 2006. Unsere Entwicklungskollegen haben buchstäblich Tag und Nacht gearbeitet, um die Premiere des U 20 auf der IAA Nutzfahrzeuge sicherzustellen. Dass sich in den nächsten Monaten weitere Erprobungen anschließen werden, ist unser Qualitätsanspruch im DaimlerChrysler-Konzern. Der Zeithorizont bis Anfang des Jahres 2008 ist daher absolut realistisch. KT: Welche Anbaugeräte werden für den U 20 angeboten?Thomas: Der U 20 hat 7,5 bis 8,5 to zulässiges Gesamtgewicht und zulässige Achslasten von 4,5 to vorne und 4,6 to hinten. Es wird beispielsweise einen exakt dem U 20 angepassten Feuchtsalzstreuer, respektive auch einen Trockenstoffstreuer auf der Pritsche geben. Für denjenigen Anwender, der mehr Salz mitbefördern will, wird es einen Aufbaustreuer geben, der direkt auf das Fahrgestell gesetzt wird.

3,5 bis 4 to Zuladung möglich KT: Von welcher Zuladung reden Sie?Thomas: Wir gehen bei der kompletten Winterdienstausstattung von 3,5 to Zuladung aus. Aurich: Das entspricht einen 1,4 m3 Feuchtsalzstreuer plus 3 m Schneepflug. Ohne Kipppritsche, Kippzylinder, Winterdiensthydraulik und Frontanbauplatte ist eine Zuladung von bis zu 4 to machbar. Das ist für den Anwender interessant, der den U20 beispielsweise als Kranfahrzeug einsetzen will. KT: Warum fehlt der Zapfwellenantrieb im Heck?Aurich: Dieser ist für den U20 nicht vorgesehen, da die Heckzapfwelle eher eine landwirtschaftliche Schnittstelle darstellt. Häcksler und Schredder können ja alternativ auch über die Frontzapfwelle angetrieben werden. KT: Sie wollen mit dem U 20 auch gegen den Standardschlepper antreten, der in der Kommune eingesetzt wird. Müsste dann der Unimog nicht auch ein stufenloses Getriebe haben?Aurich: Speziell beim U 20 geht es uns darum, ein preiswertes Trägerfahrzeug als Ersatz für die große Population von Altfahrzeugen bereitzustellen. Das vorhandene Unimog 16-Gang-Wendegetriebe mit EPS-Schaltung erfüllt voll und ganz die Anforderungen an Geschwindigkeitsabstufung von 1,2 bis 90 km/h, kombiniert mit niedrigem Verbrauch und Robustheit im Arbeitseinsatz.

23.000 ,- Euro unter dem U300 KT: Wie preiswert ist denn der U 20 im Vergleich zum U 300?Thomas: Der Bruttolistenpreis für das Grundfahrzeug wird bei 61.500,- Euro ohne MwSt. liegen. Damit liegt der U 20 etwa 23.000,- Euro unter dem U 300. Mit Winterdienst-Ausrüstung ergibt sich ein Preis von rund 85.000,- Euro. Aurich: Mit diesem Preis-/Leistungsverhältnis sehen wir uns auch gut aufgestellt im Wettbewerb zu den Standardtraktoren, die seit geraumer Zeit auch in den kommunalen Einsatz drängen. Damit meine ich die Leistungsklasse bei Traktoren von 120 bis 150 PS. Hier kann der U 20 seine Konzeptvorteile 3-sitziges Fahrerhaus, 90 km/h Höchstgeschwindigkeit, Pritsche und drei weitere Anbauräume sowie Fahrkomfort voll ausspielen.

Das Gespräch führten Hans-Günter Dörpmund und Anne Ehnts, Redaktion KommunalTechnik

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