Hochwasser in Celle: Aufwendige Nachsorge erwartet

Trotz erkennbarer Wirksamkeit der baulichen Schutzmaßnahmen erwarten Straßen- und Grünbetrieb der Stadt Celle eine aufwendige Nachsorge.
Selbst eine Woche nach dem Höhepunkt des Hochwassers waren weite Teile des Allertals überflutet, hier nahe des Ortsteils Altencelle. (Foto: Noordhof)

Mit dem sprichwörtlichen „blauen Auge“ ist die einige Kilometer Aller-abwärts gelegene Stadt Celle beim Winterhochwasser 23/24 davongekommen. Hier sorgte neben Aller und Fuhse zusätzlich die aus dem Osten der Stadt mündende Lachte für wasserhaltiges Ungemach und verstärkte den Fluteffekt. Die Höhe der Pegel war in Celle ähnlich wie beim Hochwasser 2013, schätzt Markus Wiese, Leiter des Straßenbetriebs der Stadt. „Allerdings kam die Flutwelle damals im Sommer. Das aktuelle Winterhochwasser traf jetzt auf stark wassergesättigte Boden, außerdem waren dieses Mal nicht einer, sondern alle drei Flüsse betroffen“, ergänzt Sven Barner, Leiter des städtischen Grünbetriebs. Beide Betriebsleiter sind sich allerdings einig, dass sich bei diesen außergewöhnlichen Flutereignis die in den vergangenen Jahren durch die Stadt vorgenommenen baulichen Schutzmaßnahmen erkennbar ausgezahlt haben.
Entlastend wirkten dabei u.a. die Überflutungsflächen in Klein Hehlen an der Westseite der Stadt. Deichverstärkungen und Spundwände in Zentrumsnähe sorgten ebenfalls für verbesserten Schutz – was jedoch nicht bedeutete, das trotzdem niedrig gelegene Stadtteile, wie z.B. Fritzenwiese, Neuenhäusen und das Bahnhofsumfeld, mit Überflutungen zu kämpfen hatten. „Deshalb wird die weitere Umsetzung der bereits geplanten Schutzmaßnahmen vor allem im Oberlauf der Aller sowie im Bereich der Fuhsemündung künftig zusätzliche Priorität bekommen“, vermutet Sven Barner.

Genau wie in der benachbarten Samtgemeinde Flotwedel setzten die Vorbereitungen des sich anbahnenden Hochwasser in der Stadt Celle kurz vor Weihnachten ein. Ein Krisenstab koordinierte alle Aufgaben und Helfer. Feuerwehren und THW trugen auch in Celle einen großen Teil der Last in Sachen Hochwasserbekämpfung, maßgeblich unterstützt durch den auch für Hochwasserschutz zuständigen Fachbereich Stadtentwässerung, wie Markus Wiese hinzufügt: „Die Teams des Straßen- bzw. Grünbetriebs haben entsprechend ihrer Möglichkeiten ebenfalls unterstützt, etwa durch personelle Verstärkung beim Befüllen der Sandsäcke, für das insgesamt von uns bis zu 30 Helfer im Schichtsystem eingesetzt waren. Auch durch die Sperrung von Straßen sowie in der Sandsacklogistik konnten wir mit unserem Fuhrpark unterstützen“, berichtet er.“ Und Sven Barner ergänzt:

„Dabei war es von großem Vorteil, dass zahlreiche unserer Mitarbeitenden wegen des Winterdienstes auch während der Feiertage Rufbereitschaft hatten.“

Erwarten im Nachgang der Flut viel Zusatzarbeit auf ihre Teams zukommen: Sven Barner (links), Leiter Grünbetrieb Stadt Celle, und Markus Wiese, Leiter Straßenbetrieb Stadt Celle. (Foto: Noordhof)

Das dicke Ende kommt noch

Noch umfangreicher als die akute Hilfe während des Hochwassers wird für Straßen- und Grünbetrieb wird die Nachsorge werden, sind beide Betriebsleiter überzeugt. Dazu wird viel Einsatz an ganz unterschiedlichen Stellen sein. Weit vorn steht dabei u.a. die Straßeninstandsetzung. So sind an verschiedenen Stellen, vor allem in gewässernahen Bereichen, Unterspülungen von Straßen und Wegen zu beobachten, wobei Anfang zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht überall einwandfrei feststand, ob diese durch das Hochwasser oder aufgrund der akuten Überlastung defekte Regen- bzw. Schmutzwasserkanäle verursacht wurde. Vier Straßenkontrolleure starteten zu Beginn der zweiten Januarwoche ihre Kontrollen, ergänzt durch eine Bürger-Meldestelle für entdeckte Schäden. „Außerdem sind wir von der Hochwasserbekämpfung direkt in den Winterdienst gewechselt, und Dauerfrost bis -10 ° verursacht diverse Schäden im Straßen- und Wegenetz, besonders vor dem Hintergrund der nassen Böden. Unser Heißasphaltkocher wird jedenfalls einiges zu tun bekommen. Und unsere für 2024 vorgenommenen Planungen für die Straßenunterhaltung in diesem Jahr müssen wir wohl kräftig anpassen“, erwartet Markus Wiese.

Welche Folgen die teils wochenlang anhaltenden Überflutungen generell für Gehölze und Bäume haben, ist nach Einschätzung Sven Barners noch gar nicht absehbar. Eventuelle Schäden bis hin zu Totalausfällen dürften sich erst im Laufe der kommenden Wochen und Monaten zeigen. Aber das „dicke Ende“ des Hochwassers ist nach seinem Bauchgefühl zumindest in diesem Punkt noch nicht erreicht. „Auch hier gilt, das Sicherungsmaßnahmen, etwa zur Vermeidung herabfallenden Totholzes, oberste Priorität haben. Doch wenn die Flusspegel erst mal wieder niedrig sind, stellt die sprichwörtliche öffentliche Wahrnehmung erfahrungsgemäß keinen Zusammenhang zum Hochwasser mehr her und bemängelt dann Schnitt- und Fällmaßnahmen. Als Grünbetrieb handhaben wir dies sensibel handhaben sowie eine offene Kommunikation pflegen. Denn unsere Aufgabe ist es, Sicherheit der Bürger und Schutz der Umwelt in Einklang zu halten – und das nicht nur bei Hochwasser.“

Jens Noordhof, Redaktion KommunalTechnik

Noch ausführlicher berichten wir in der KommunalTechnik Ausgabe 1/2024, die am 16.02.2024 erscheint.

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