Wildkrautbeseitigung: Sonderfall Löwenzahn

In der Unkrautbeseitigung hat der Löwenzahn aufgrund seiner hartnäckigen Ausbreitung eine besondere Stellung. Wie kann er erfolgreich bekämpft werden?
Milde Temperaturen in Stadtgebieten verlängern die Vegetationszeit des Löwenzahns. (Foto: Verschwele)

Vermutlich, weil der Löwenzahn so allgegenwärtig ist, hat er so viele Synonyme, wie z.B. Kuhblume, Butterblume oder auch Pusteblume. Mit seinen gelben Blüten und den unverkennbaren, mit Fallschirmen bestückten Samen hat der Löwenzahn durchaus ein positives Image. Löwenzahn wird daher nicht nur als Unkraut betrachtet, sondern kann auch als Salatpflanze oder Heilpflanze verwendet werden. Auch für Bienen und andere Insekten bieten die gelben Blüten ein wichtiges Nahrungsangebot. Diese positive Grundstimmung dem Löwenzahn gegenüber ändert sich allerdings spätestens dann, wenn man ihn wegen seiner hartnäckigen Ausbreitung bekämpfen muss. Hier zeigt sich der Löwenzahn äußerst robust gegen nahezu alle Bekämpfungsversuche. Spätestens dann ist es Zeit, sich näher mit dieser Pflanze zu beschäftigen.

Biologie

Der Gemeine Löwenzahn - mit wissenschaftlichen Namen Taraxacum officinale - zählt zu den Korbblütengewächsen (Asteraceae) und ist eine ausdauernde einheimische Pflanze. Laut Angaben in Floraweb gilt die Art als ungefährdet, was wenig verwundert. Der Löwenzahn bildet eine Vielzahl von Unterarten bzw. Sippen, die nicht immer sicher auseinanderzuhalten sind. So tritt auf versiegelten Flächen häufig auch der Wiesen-Löwenzahn als Artengruppe auf (Taraxacum sect. ruderalia). Eine interessante Art ist darüber hinaus der Russische Löwenzahn (Taraxacum koksaghyz), der als möglicher Lieferant von Naturkautschuk seit einigen Jahren erforscht und sogar schon in kleinem Umfang angebaut wird.

Trotz der unterschiedlichsten Wuchsformen ist der Löwenzahn doch derart einzigartig, dass er mit anderen Pflanzenarten kaum verwechselt werden kann. Andere Korbblütler wie z.B. Gänsedistel-, Kratzdistel-, Pippau- oder Lattich-Arten bilden zwar im frühen Entwicklungsstadium ähnliche Rosetten mit gezähnten Blättern aus, sie kommen aber nicht auf stark befestigten Ruderalflächen oder gar in Fugen vor.

Löwenzahn kann auf guten Standorten bis zum 40 cm hoch werden, bei mechanischer Belastung und anderen Beeinträchtigungen erreicht er aber kaum Wuchshöhen von über 5 cm. Die oben genannte Ausdauer erreicht der Löwenzahn über sein ausgeprägtes Wurzelsystem. Anders als im Grünland bildet der Löwenzahn auf versiegelten Flächen aber nur eine kleine oder gar keine Pfahlwurzel aus. Etablierte Pflanzen speichern im gesamten Wurzelnetz Wasser und Nährstoffe und machen den Löwenzahn so äußerst widerstandsfähig gegen Trockenphasen und gegen thermische Bekämpfungsmaßnahmen. Auch mechanische Eingriffe über Kehrbesen oder Unkrautbürsten können den Löwenzahn wenig anhaben, weil abgerissene Wurzelteile schnell wieder austreiben – auch dann, wenn nur kleine Wurzelstücke von Maschinen verbreitet werden. Gelangen sie in Fugen oder an andere geschützte Stellen wie an Hauswänden, können sie massiv neue Flächen besiedeln. Gleiches gilt für die Verbreitung über Samen, die als sogenannte Schirmflieger vorrangig über Wind erfolgt. Eine einzige Löwenzahn-Pflanze kann dabei bis zu 5.000 Samen erzeugen, die bis zu fünf Jahre lebensfähig sind. Es gibt sogar Unterarten, die ihre Samen ohne vorherige Befruchtung bilden können. Selbst wenn diese Angaben aus der Literatur vermutlich eher für günstige Ackerbaubedingungen zutreffen, sind sie ein Indiz dafür, dass der Löwenzahn ein wahrer Überlebenskünstler ist. Darüber hinaus profitiert der Löwenzahn vom milden urbanen Klima und dem Klimawandel. Die Temperatur-Bedingungen in Siedlungsräumen verlängern die Vegetationszeit, so dass die Pflanze nicht nur bis Ende November oder später wächst, sondern bereits im März zu blühen beginnt. Löwenzahn kann in einem weiten Temperaturbereich von 5-30 °C keimen, und auch kleine, im Herbst auflaufende Pflanzen schaffen es, im milden Stadtklima zu überwintern.

Überlebenskünstler Löwenzahn: Wiederaustrieb sieben Tage nach dem Abflämmen. (Foto: Verschwele)

Bekämpfung

Gibt es nun trotz des robusten Verhaltens dennoch erfolgversprechende Ansätze, den Löwenzahn zu bekämpfen oder ihn zumindest zurückzudrängen? Einzelne, planlose Maßnahmen werden meist erfolglos bleiben. Wenn der Löwenzahn neue Flächen besiedelt, kann man ihn unter günstigen Umständen auf kleinen Flächen noch ausgraben. Meist verpasst man aber diese Phase, so dass neue Samen sofort austreiben und sich ausbreiten. Wichtig ist eine kontinuierliche Bekämpfung mit wiederholten Maßnahmen – im Idealfall eine Kombination von thermischen und mechanischen Verfahren. Wie Bild 2 zeigt, führt aber selbst eine dreifache Behandlung mit Heißwasser (92 °C) im Abstand von ca. zehn Tagen nicht zum vollständigen Absterben der Löwenzahn-Pflanze.

Es kann aber schon als Erfolg angesehen werden, dass immerhin das Aussamen des Löwenzahns verhindert werden kann. Langfristig wird die Pflanze geschwächt, so dass ein Wiederaustrieb nach dem Winter unwahrscheinlicher wird. Eine Bekämpfung egal welcher Art sollte daher auch noch im späten Herbst erfolgen. Die thermischen Verfahren unterscheiden sich in der Art, wie sie Wärme erzeugen und auf die Pflanze übertragen. Die Hitze führt zur Denaturierung von Zell-Eiweiß, zum Platzen der Zellen und somit zum Absterben von Pflanzengewebe. Dafür sind Temperaturen von mindestens 60 C erforderlich. Anwendungen mit Heißschaum sind zum Beispiel im Vergleich zu Heißluft durch die längere Einwirkzeit besser geeignet, das Blatt- und Wurzelteile vom Löwenzahn zu schädigen. Andererseits sind Heißschaum- und Heißwasserverfahren durch den Wasserbedarf logistisch aufwendiger als beispielsweise Abflämm-, Infrarot- oder Heißluftgeräte. Das wird im Jahresverlauf dadurch kompensiert, dass bei Heißschaum zwei bis drei Behandlungen im Jahr ausreichen können.

Mechanische Verfahren sind ebenfalls wirksam, allerdings erfolgt der Wiederaustrieb meist schneller als nach einer thermischen Behandlung. Übliche Kehrmaschinen sind im Vergleich zu Unkrautbürsten weniger effektiv, weil die vergleichsweise weichen Borsten nur einzelne Blätter abreißen oder kleine Pflanze heraus- oder zerreißen. Weil durch rotierende Borsten unweigerlich Fugenmaterial zwischen den Pflastersteinen entfernt wird, finden neue Pflanzen über ihre Samen oder Wurzelstücke in den tieferen Fugen bessere Wuchsbedingungen vor. Dies gilt nicht nur für den Löwenzahn, sondern für alle Unkräuter, so dass Fugenmaterial stets frühzeitig nachgefüllt werden muss. Auf wassergebundenen Flächen kommen selbstverständlich Unkrautbürsten nicht in Frage; hier bleiben nur Zinkengeräte oder Unkrauteggen für mechanische Verfahren. Wegen des eher schwachen Eingriffs sind aber mit derartigen Pflegegeräten keine großen Erfolge zu erwarten.

Fazit

Ohnehin wird man am Ende aller Bemühungen feststellen müssen, dass der Löwenzahn niemals vollständig verschwindet. Alle Anstrengungen sollten sich daher auf solche Flächen konzentrieren, auf denen die Verkehrssicherheit und andere wichtige Funktionen der Fläche unbedingt zu gewährleisten sind. Es gibt im städtischen Bereich aber auch immer wieder Randbereiche, wo der Löwenzahn nicht unbedingt stört. Etwas mehr Toleranz kann daher nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch helfen, unnötige Kosten einzusparen.

Dr. Arnd Verschwele, JKI Braunschweig

Beitrag aus der KommunalTechnik-Ausgabe 3/2022