Elektrisch Unkraut bekämpfen

Mit dem elektrischen Unkrautbekämpfungssystem XPower XPU von AgXtend wir eine neue Alternative zur chemischen Wildkrautbeseitigung marktreif.

Mit dem XPower XPU bietet Agxtend – eine Marke von CNH Industrials - für Kommunen, städtische Betriebe und Unternehmen im GaLaBau eine neuartige Möglichkeit, Unkräuter herbizidfrei zu bekämpfen. Das System basiert auf dem patentierten elektrophysikalischem Electroherb-System des Schweizer Herstellers Zasso, an dem CNH Industrial eine Minderheitsbeteiligung hält.

Zwei Komponenten
Das XPU-System besteht aus zwei Komponenten, die im Front- und Heckanbau von Traktoren angehängt werden. Zu der Einheit im Traktorheck gehören ein Generator, ein Getriebe, bis zu zwölf Aggregate mit einer Leistung von bis zu 36 kW (mit der Option XPU Power Boost) und ein elektrischer Schaltschrank. Der Applikator im Frontanbau ist seitlich ausschwenkbar, damit auch die Vegetation neben der Traktorspur bekämpft werden kann, und besteht aus drei Reihen statischer Elektroden. Der Generator im Heck wird über die Zapfwelle des Traktors angetrieben und liefert elektrischen Strom mit hoher Spannung, der über den Applikator in der Fronthydraulik über die gesamte Arbeitsbreite von 120 cm in die Pflanzen und dann in den Boden fließt. Der Stromkreis wird über einen zweiten Applikator, der entweder andere Pflanzen oder den Boden berührt, geschlossen.
Ein optionaler XPU Power Boost bringt 9 kW weitere Leistung und beinhaltet drei zusätzliche Hochspannungseinheiten. Mit dem Power Boost sollen vor allem die schwieriger zu bearbeitenden monokotylen Unkrautarten besser und effizienter bekämpft werden können. Des Weiteren soll mit ihm eine höhere Fahrgeschwindigkeit möglich sein. Diese liegt grundsätzlich bei 2 bis 4 km/h.
Das XPU System wiegt insgesamt etwa 1.400 kg, die sich auf 300 kg im Frontanbau und 1.100 kg im Heckanbau aufteilen. Bei einer erforderli-chen Zapfwellendrehzahl von 540 U/min liegt der Leistungsbedarf des Traktors laut Herstellerangabe bei 110 PS. „Das Gewicht ist ein Aspekt, an dem wir zur Zeit arbeiten und den wir zu optimieren versuchen“, berichtet Karsten Vialon, Head of Agxtend. Hintergrund ist die 2,8-t-Grenze für Fahrzeuge, die Bürgersteige befahren (Hinweis in eigener Sache: In der KommunalTechnik Ausgabe 7/2020 ist uns hier ein Druckfehler unterlaufen! Nach  § 35 (6) StVO ist das Befahren der Gehwege bis 2,8 t Gesamtmasse zulässig, nicht wie fälschlicherweise geschrieben bis 7,5 t.)

Wirkungsweise und Vorteile
Die elektrische Energie setzt das Chlorophyll sowie das Wasser und Nährstoffsystem der Pflanzen laut Hersteller bereits bei einer einmaligen Behandlung bis in die Wurzeln außer Funktion, da Zellen und Leitbündel irreparabel zerstört werden. Damit ist sichergestellt, dass die Pflanzen bin-nen 1 sek nicht mehr leben. „Das macht dieses elektrophysikalische Verfahren sehr viel sicherer und effizienter als eine mechanische Behandlung, nach deren Einsatz die Pflanzen zum Teil wieder Wurzeln schlagen können“, so Karsten Vialon. Normale Unkrautbestände seien nach ein bis maximal zwei Behandlungen erfolgreich bekämpft. Lediglich mehrjährige Grasbestände, die eine bestockte Grasnarbe ausgebildet haben, müssten wiederholt behandelt werden.
Die Vorteile gegenüber thermischen Systemen, die mit Wasser arbeiten, liegen nach seiner Aussage vor allem in der systemischen Wirkung und der energiearmen Arbeitsweise. Es werden keine weiteren Ressourcen, wie z.B. Wasser, benötigt, die bereitgestellt werden müssen. Die Wirkung sei weiterhin nur in geringem Umfang von Tageszeit oder Temperatur abhängig. Lediglich bei sehr nassen Bedingungen ist die Wirkung nach Herstellerangaben beeinträchtigt.
Auf das Insektenleben hätte das elektrische Verfahren keinen negativen Einfluss, wie Karsten Vialon betont. Versuche hätten bestätigt, dass die Regenerationsrate des Bodenlebens nicht beeinträchtigt würde.

Marktreife in 2021
Der XPU entspricht den europäischen Sicherheitsnormen und auch den EMV-Normen. Letzteres bedeutet, dass auch Menschen, die einen Herzschrittmacher haben, das Gerät bedienen könnten. Da es sich aber um die Arbeit mit elektrischen Strom handelt, wird das Thema Sicherheit bei Agxtend dennoch sehr groß geschrieben. „Ungefähr 50 % der Einweisungszeit in die Maschine wird für das Thema Sicherheit im Umgang mit dem XPU verwendet“, sagt Karsten Vialon und weiter: „Nur eine Person, die in puncto Sicherheit unterwiesen wurde, darf diese Maschine fahren.“ Bei Arbeiten in öffentlichen Bereichen müsste der Arbeitsbereich so gesichert werden, dass Passanten nicht näher als 3 m an die Maschine herankommen.
In diesem Jahr lief eine Vorserie mit vier Maschinen im Praxiseinsatz. Getestet wurde die Technik vor allem von kommunalen Dienstleistungsbetrieben in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Für das Jahr 2021 ist geplant 30 bis 40 Einheiten auf den deutschsprachigen Markt zu bringen. Es stehen zwei verschiedene Maschinen-Varianten mit entweder 27 kW Leistung oder 36 kW Leistung mit einem optionalen Power Boost zur Verfügung. Je nach Ausstattung ist der XPU ab einem Preis von 117.000 € erhältlich.  

Mirja Schmatzler, Redaktion KommunalTechnik
Fotos: Hersteller