Marktübersicht: Abbiegeassistenten

In vielen Kommunen sollen schwere Nutzfahrzeuge mit Abbiegeassistenten nachgerüstet werden. Welches System passt für welchen Einsatz?

Die Bereitschaft von Kommunen und kommunalen Unternehmen, ihre Fahrzeuge mit Abbiegeassistenten nachzurüsten, wird auch vom Bundesverkehrsministerium (BMVI) unterstützt. Im vergangenen Jahr wurde die „Aktion Abbiegeassistent“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, Unternehmen und Behörden heute schon dazu zu bewegen, die eigenen Flotten schnellstmöglich mit Assistenzsystemen nachzurüsten. Mit der Aktion ist ein Förderprogramm verbunden, das im Jahr 2019 die freiwillige Nachrüstung mit insgesamt 5 Millionen Euro unterstützt. Der Topf war schnell ausgeschöpft und wurde mit weiteren 10 Mio. Euro aufgestockt. Fördermittel sind bekanntermaßen nur selten ohne Vorbedingungen zu haben. So ist es auch bei diesem Förderprogramm. Um Fördermittel beantragen zu können, müssen die Systeme, die nachgerüstet werden sollen, Ultraschall-Systeme mit Kamera-Monitor-Systeme (KMS), Radarsysteme auch ohne KMS oder auch sensoroptische Systeme („Intelligente“ Kameras) auch ohne KMS sein. Sowohl das BMVI, als auch die United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) haben präzise Anforderungen an solche Systeme definiert. Welche Systeme sind überhaupt verfügbar und worin unterschieden sie sich? Darüber hinaus spielen der Preis und der Aufwand einer Nachrüstung eine Rolle für eine Investitionsentscheidung.

Abbiegeassistenten erkennen Fahrradfahrer und Fußgänger im Seitenraum des Fahrzeuges mit Hilfe verschiedener Technologien. Unterschieden wird zwischen radar-, sensor- und kamerabasierten Systemen. Die radarbasierten Systeme senden, ähnlich wie bei den Abstandsregeltempomaten einen Radarstrahl aus, der vom Hindernis reflektiert wird. Bei den sensorbasierten Systemen werden die gefährdeten Bereiche mit Ultraschallsensoren ausgestattet, die mögliche Hindernisse in diesem Bereich erfassen und den Fahrer optisch oder akustisch davor warnen. Bei den kamerabasierten Systemen wird mit Hilfe einer Kamera der gefährdete Bereich, sprich der tote Winkel auf der rechten Fahrzeugseite, überwacht. Das Bild wird auf einen Monitor im Fahrzeug übertragen. Zusätzlich erhält der Fahrer eine Warnung, wenn sich ein Fußgänger oder Radfahrer im toten Winkel befindet. Eine Gemeinsamkeit aller Systeme zum Nachrüsten: Sie können den Fahrer lediglich vor einer Gefahr warnen. Handeln muss der Fahrer selbst.

Axion AG

Die Axion AG bietet mit dem ICA „Turn-Assist“ Abbiegeassistent eine Nachrüstlösung, die den rechten toten Winkel des Fahrzeugs überwacht und automatisch den Fahrer warnt, sobald eine Gefahrenquelle (andere Fahrzeuge, Radfahrer, Fußgänger etc.) in diesem Bereich auftaucht. Durch die Anbindung an das rechte Blinkersignal schaltet sich das System automatisch beim Abbiegevorgang ein.

Die Kamera des ICA-Systems erfasst den Bereich neben dem Fahrzeug und überwacht beim Abbiegevorgang einen bei der Installation definierten Bereich neben dem Fahrzeug. Das ICA-Turn Assist System erkennt mittels eines softwarebasierten Algorithmus in diesem Bereich Bewegungen, welche als definiert gefährlich eingestuft werden und warnt den Fahrer sowohl optisch als auch akustisch durch die farbliche Veränderung des Überwachungsbereichs im Monitor von Grün auf Rot, und akustisch über den im Lieferumfang enthaltenen Buzzer. Das System ist dauerhaft min. im empfohlenen Geschwindigkeitsbereich von 0-30 km/h aktiv. Der ICA „Turn Assist“ kostet 1.599,- €. Um auch das Sicherheitsniveau beim Rangieren anzuheben, lässt sich in das System durch eine optional erhältliche Rückfahrkamera ergänzen.

Wüllhorst Fahrzeugbau

Wüllhorst Fahrzeugbau hat das System gemeinsam mit Edeka entwickelt, die ein solches System für ihre Verteilerfahrzeuge wollten. Das System besteht aus vier Ultraschallsensoren und einem Kamera-Monitor-System. Der Wüllhorst Abbiegeassistent unterstützt den Kraftfahrer bei einem Rechtsabbiegevorgang durch einen Bildschirm, auf dem der tote Winkel rechts neben dem Fahrzeug zu sehen ist und vier Sensoren mit einer Reichweite von 2,5 m, welche den Bereich rechts hinter der A-Säule und die ersten 6 m rechts neben dem Fahrzeug überwachen. Aktiviert wird der Assistent durch das Blinkersignal sowie bei einem Kurvenradius von 10 m. Es entspricht den Anforderungen des BMVI. Der Einbauaufwand beträgt etwa 4 h.

Mobileye

Mobileye Shield+™ ist ein Kollisionsvermeidungssystem mit Abbiegeassistentem zum Nachrüsten von Lastkraftwagen und anderen großen Nutzfahrzeugen. Das System besteht aus zwei bis acht Vision-Sensoren, die kontinuierlich die Straße vor dem Fahrzeug und die toten Winkel auf beiden Seiten des Fahrzeugs sowie an der A-Säule und dem linken Außenspiegel überwachen. Mobileye Shield+ kann in nahezu allen großen Fahrzeugen (ab einer Länge von 6 m) installiert werden. Diese Sicherheitstechnologie basiert auf Algorithmen, die die Fahrumgebung kontinuierlich analysieren, um Gefahren, wie andere Fahrzeuge, Fußgänger, Fahrradfahrer und Motorradfahrer zu erkennen. Werden potenzielle Gefahren von Mobileye Shield+ im toten Winkel erkannt, wird der Fahrer in Echtzeit durch optische und akustische Signale gewarnt. Der Preis für das System wird auf 1.650 € beziffert, der Einbauaufwand beträgt 4-5 h.

MEKRA Lang

Mit dem Abbiegeassistenten AAS bietet MEKRA Lang ein System zur Kollisionsvermeidung auf Basis eines 24 GHz Radarsystems an. Das Abbiegeassistent System ist zur Nachrüstung von Lkw, Bussen und Kommunalfahrzeugen entwickelt worden. Mit der Erteilung der ABE ist das System vom BVMI förderfähig. Optimieren lässt sich der AAS mit dem MEKRA Lang Tote-Winkel-Assistenten. Durch die seitlich am Fahrerhaus montierte Kamera kann der Fahrer zusätzlich den gesamten Bereich rechts neben dem LKW einsehen. Das vom AAS unabhängige System wird automatisch über das Geschwindigkeitssignal oder den Blinker aktiviert und unterstützt so den Fahrer beim Abbiegen.

Blick in den toten Winkel: Der LUIS-Abbiegeassistent ist ein Kamera-basiertes System und aufgrund seiner BMVI-Konformität förderfähig.

LUIS Technology

Der LUIS-Abbiegeassistent besteht aus einer Kamera mit softwarebasierter Erkennung, einer Steuerbox und einem Monitor. Das System filtert statische Objekte wie parkende Autos oder Ampelmasten heraus und schützt so den Fahrer vor einer Abstumpfungsgefahr bei zu häufigen Fehlalarmen. Eine optische und akustische Warnung erfolgt nur bei sich bewegenden Objekten wie Fußgängern oder Fahrradfahrern. Der Abbiegeassistent wird beim Einschlagen des Lenkrads sowie in einem bestimmten Geschwindigkeitsbereich des Fahrzeuges aktiviert. Der Fahrer wird über einen roten Kasten im Monitorbild und einen Warnton nur dann gewarnt, wenn eine Gefahr droht. Nachrüstbar ist jedes Nutzfahrzeug unabhängig von Fabrikat und Hersteller. Auch für die Nachrüstung von Kommunalfahrzeugen ist das System geeignet. Den Einbauaufwand gibt der Hersteller mit 5-6 h an. Er erfolgt wahlweise durch LUIS Monteure, -Servicepartner oder auch durch alle MAN-Servicebetriebe. Der Preis beträgt 1.690 € netto für die BMVI-konforme und förderfähige Variante ohne Lenkwinkelsensorik.

Stephan Keppler,
Redaktion KommunalTechnik


Fotos: Keppler, Werksbild

Wie viele andere kommunale Flottenbetreiber auch, haben sich die AWB Köln für eine Nachrüstung ihrer Fahrzeuge entschieden. Der Weg zum passenden Assistenzsystem war jedoch alles andere als einfach. Wenn Sie wissen wollen, wie die AWB Köln das Problem gelöst hat, dann bestellen Sie sich hier eine kostenlose Leseprobe der KommunalTechnik-Ausgabe 5.

 

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