KT-Umfrage: Geräteträger in der Kommune

Geräteträger in Kommunen leisten vielseitige Arbeiten wie Schnee schieben, Gras mähen, Plätze kehren oder Laub sammeln. Zudem transportieren sie Menschen und Material. Wir haben Kommunen nach ihren Praxis-Erfahrungen mit verschiedenen Geräteträgern befragt.

Das Bauhof-Team mit Leiter Jens Herold (3. v.l.) bei der Übergabe der Maschinen. (Foto: Holder)

Knicklenkung sorgt für sauberes Schnittbild

Seit 26 Jahren fahren die Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeinde Eningen (11.000 Einwohner, Landkreis Reutlingen, Baden-Württemberg) mit knickgelenkten Fahrzeugen des Herstellers Holder. Seit Mai 2013 gehören zwei C370 zum Fuhrpark, die ältere Maschinen ersetzt haben. Die Fahrzeuge mit 67 PS und Zweimann-Kabine sind das ganze Jahr im Einsatz. „80 % der Arbeiten, vor allem Winterdienst und Mäharbeiten, machen wir damit“, erläutert Bauhofleiter Jens Herold.

Im Winter sind die beiden Knicklenker ausgestattet mit Duplex-Streuern von Kugelmann. Trotz der Zweimannkabine ist der C370 nicht breiter als 1,30 m, womit er auch zum Streuen von Geh- und Radwegen eingesetzt werden kann.

Im Sommer ist eines der beiden C370 mit einem Frontmäh- und Mulchwerk von Wiedenmann bestückt. Damit mäht die Gemeinde alle Grünflächen wie Freizeitplätze oder Parkanlagen. Der Grasschnitt wird mithilfe von Multicutmessern bis zu viermal zerkleinert und verbleibt auf der Fläche, der Bauhof setzt grundsätzlich keine Absauganlage ein. „Wegen des engen Radius dank der Knicklenkung und der Schwimmstellung der Mähwerke entstehen keine Schäden am Boden und das Schnittbild ist auch am Hang gleichmäßig“, sagt Herold. Das ist wegen der Topographie  am Rande der Schwäbischen Alb wichtig. Denn rechts und links des 4 km langen Ortes gibt es leicht ansteigende Flächen.

Der Bauhof Eningen mulcht Grünlagen mit dem Holder C370 und saugt das Gras nicht ab. (Foto: Holder)

Der Bauhof schätzt gerade im Sommer die Zweimannkabine sehr. Bis zu 3 km Entfernung legen die Fahrzeuge zum Einsatzort zurück. Der C370 mit Mähwerk ist meistens mit Ladepritsche hinter der Kabine ausgerüstet. Darauf lassen sich z.B. Freischneider, Blasgerät und Benzinkanister transportieren, mit denen der zweite Mann am Einsatzort arbeiten kann. „Damit nutzen wir den Holder als Transport- und Arbeitsfahrzeug in einem“, berichtet Herold.

Bei Parkanlagen haben wir gute Erfahrungen mit Knicklenkern mit Ballonreifen gemacht.

Das zweite Fahrzeug ist im Sommer mit einem 750 l fassenden Wassertank und einer Gießanlage von Holder ausgestattet. Damit bewässert die Gemeinde Kleingrünanlagen, Bodenbepflanzungen, Kübel, Gestecke oder Büsche. Bei der Arbeit schätzt der Bauhof Zusatzfunktionen wie Luftfedersitze oder Pollenfilter in der Kabine, um den Mitarbeitern ein möglichst angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen.
An die Grenzen kommen die beiden Knicklenker jedoch bei Arbeiten mit Auslegern bzw. mit größeren Mulchgeräten. „Die Ölmenge reicht aus für kleinere Mulchgeräte bis 1,30 m Arbeitsbreite“, schildert Herold. Außerdem belasten diese Arbeiten die Einzelradmotoren sehr, es kommt zu höherem Verschleiß. Aus diesem Grund verrichtet Arbeiten wie das Mähen von Böschungen, Obstanlagen und andere Liegenschaftsflächen und Grabenränder ein Kommunaltraktor Case 75 N mit 75 PS mit einem Humus-Safety-Mulcher der Maschinenfabrik Bermatingen. Dieses hat eine Arbeitsbreite von 1,55 m. „Bei den Flächen spielt es keine Rolle, wenn der Traktor auch mal kleinere Spuren macht. Bei Parkanlagen dagegen haben wir gute Erfahrungen mit den wendigen Knicklenkern mit Ballonreifen gemacht“, sagt der Bauhofleiter.

Der Bauhof der Gemeinde Gefrees nutzt seit Juni 2015 einen MXC100 des irischen Herstellers Multihog (Foto: Multihog/Univoit)

Wendiger Knicklenker für Spiel- und Sportanlagen

Klein und wendig ist der Knicklenker MXC100 des irischen Herstellers Multihog, der seit Juni 2015 in der Gemeinde Gefrees (Fichtelgebirge im nördlichen Bayern) im Einsatz ist. Er hat dort das knickgelenkte Fahrzeug eines anderen Herstellers ersetzt. „Der war allerdings sehr laut in der Kabine“, berichtet Thomas Schlenk, stellvertretender Bauhofleiter. Den Grund sieht er darin, dass die Maschine im Zapfwellenbetrieb Geräusche und Vibrationen über den Fahrzeugrahmen bis in die Kabine übertragen hatte. Das ist bei dem MXC100 anders: „Statt einer Zapfwelle arbeitet er mit Hydraulik und ist viel leiser. Man versteht jetzt in der Kabine jedes Wort“, so Schlenk.
Weiterer Vorteil: Die Maschine mit Hydrostatantrieb lässt sich auch bei niedriger Motordrehzahl mit voller Hydraulikleistung nutzen. Bei der Zapfwelle konnten Anbaugeräte dagegen nur mit hoher Motordrehzahl betrieben werden.
Der Knicklenker ist in der Gemeinde mit 4.600 Einwohnern und 60 km Straßenlänge ganzjährig im Einsatz. Zu Pflegen sind insgesamt 25 ha Mulchfläche, 12 ha zum Mähen und 15 km Straßen im Winterdienst. Dafür nutzt der Bauhof vor allem vier eigene Anbaugeräte: Eine Mäh-/Saugkombination von Kalinke für die Grünanlagenpflege auf Sportplätzen, in Parks oder anderen Grünflächen sowie ein Frontmulcher von Fischer zum Mulchen von Straßenrändern oder anderen Flächen im Außenbereich. Im Winter sind ein Aufbaustreuer und ein Vario-Pflug (1,85 m Arbeitsbreite) von Fiedler im Einsatz. Zum Ausbessern von Schlaglöchern nutzt die Gemeinde Gefrees zudem eine Asphaltfräse, die Multihog entwickelt hat.

 

Gemulcht werden die Flächen in der Vegetationszeit zweimal: im Juni und im August. In der übrigen Zeit ist die Mäh-Saug-Kombination permanent angebaut. „Wir müssen die Sportplätze damit einmal wöchentlich mähen“, sagt Schlenk.

Mit dem Gerät können wir auf Spielplätzen bequem um die Geräte herum fahren.

Die Absauganlage kommt auch zum Einsatz, wenn die Mitarbeiter beispielsweise am Rand von Hecken mit dem Freischneider arbeiten. Anschließend fährt der Fahrer mit dem MXC100 über das Schnittgut und nimmt es auf. Genauso dient es im Herbst zum Abfahren von trockenem Laub. Bei Mähen schätzen die Mitarbeiter die Wendigkeit des nur 1,28 m breiten Knicklenkers. „Damit können wir z.B. auf Spielplätzen bequem um die Geräte herum fahren“, erläutert der Bauhofmitarbeiter.
Die Kabine ist nur für einen Mann ausgelegt. Das reicht dem Bauhof aber aus. Die Zweisitzerkabine des Vorgängermodells wurde selten von zwei Mitarbeitern genutzt. Denn das Fahrzeug wird vor allem innerorts genutzt, wo man bei Bedarf eine zweite Person auch mit einem anderen Fahrzeug schnell zum Einsatzort bringen kann. Der Multihog MXC100 ergänzt als schmales und wendiges Fahrzeug einen Unimog sowie einen Fendt-Geräteträger F 380 GTA, das am häufigsten eingesetzte Fahrzeug in der Gemeinde.

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Hinrich Neumann

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Zeitschrift KommunalTechnik Ausgabe 3 Mai/Juni 2017.