Diskussionsrunde Wildkrautbekämpfung

Mit Beginn der Vegetationsperiode beginnt auch das Wildkraut auf Plätzen und Wegen zu wachsen. Damit steht das Problem der Bekämpfung auf dem Programm. Wir haben mit kommunalen Vertretern über ihre Konzepte der Wildkrautbekämpfung gesprochen.

Wie würden Sie die aktuelle Situation in Bezug auf das Personal und den Pflegezustand in Ihren Arbeitsbereichen beschreiben?

Pierre Schmitt: Wir sind in der Stadt Luxemburg breit aufgestellt. Insgesamt arbeiten bei uns 300 Mitarbeiter, die diverse Aufgaben übernehmen: über die Dekoration, die Pflege der Pflanzen bis hin zur Unkrautbekämpfung. Um ein gepflegtes, aber trotzdem grünes Stadtbild zu erhalten ist die Zeiteinteilung wichtig. Wie in vielen anderen Gemeinden steht auch bei uns immer weniger Zeit für vielfältige Aufgaben zur Verfügung. Für das Zeitmanagement nutzen wir ein GIS-System. Dort werden alle Stunden in den jeweiligen Arbeitsbereichen erfasst und ausgewertet, um weiter optimieren zu können.

Thomas Amelung: Das Wichtigste ist am Ball zu bleiben, denn sonst gewinnt das Unkraut auf den 105 ha, die wir  in Hannover pflegen müssen. Schöne Gärten haben viele, doch wir versuchen in den Herrenhäuser Gärten, insbesondere den eintrittspflichtigen barocken Teil, einen sehr hohen Pflegezustand aufrecht zu erhalten. Darauf achten die 50 Mitarbeiter und ich sehr.

Hans Schröder: Bei uns in Osnabrück sind insgesamt 240 Mitarbeiter angestellt, darunter 60 für die Stadtreinigung, 120 zusätndige Mitarbeiter für die Müllabfuhr. Wenn wir Unkraut bekämpfen, ist das zum Teil Aufgabe der Straßenreinigung und dafür stehen zwischen 10 und 15 Arbeitskräfte zur Verfügung.

Sie verzichten auf den Einsatz von Herbiziden. Welche Folgen hat das?

Schmitt: Wichtig ist uns die Strategie, die hinter allem steckt, denn darauf sind alle Arbeiten abgestimmt. Luxemburg ist eine historische Stadt der Rosenzüchter und daher haben wir viele Rosenanlagen. Wir mussten einige sehr pflegeintensive Anlagen neugestalten, um den Aufwand zu reduzieren. Eine andere Möglichkeit war die Nutzung von einheimischer Bepflanzung, die weniger Pflege benötigt. Dadurch konnten wir mehr Zeit einsparen. Zum Schluss ist die Toleranz ein wichtiges Thema. Wir versuchen erst gar nicht den Zustand herzustellen, der mit Herbiziden möglich war.

Ein positiver Nebeneffekt ist, dass die Biodiversität in der Stadt zugenommen hat. Wir bieten regelmäßig Führungen an und erklären was dort eigentlich wächst. Viele Bürger sind erstaunt, wenn Sie erfahren, dass es beispielsweise Rucola ist, den man essen kann.

Amelung: Wir machen vieles von Hand. Etwa 90 der Wege im Garten sind wassergebunden. Diese sollten in einem guten Zustand sein und regelmäßig erneuert werden. Ist der Weg von unten heraus gut aufgebaut, reicht ein Erneuern der Decke häufig aus, was sich dann nicht zu stark in den Kosten bemerkbar macht. Auf einem gut instandgehaltenen Weg habe ich automatisch mit weniger Unkraut zu tun. Doch natürlich haben wir auch Probleme mit der wechselnden Randbepflanzung. Huminstoffe gelangen automatisch auf den Weg und werden an den Rand gespült - diese werden so zu kritischen Bereichen.

Schröder: In Osnabrück spielt die Kommunikation eine wichtige Rolle: Die Bürger müssen verstehen, warum es an einigen Ecken grüner ist als früher. Das Ziel ist es den Anteil an wassergebundenen Wegen zu reduzieren und auch in der Planung neuer Bereiche darauf zu achten, was funktioniert und was nicht.

Wie wichtig ist ein Konzept, das hinter der Wildkrautbeseitigung steht?

Arnd Verschwele: Wir beschäftigen uns bei den Systemen ja eher von der wissenschaftlichen Seite. Das Problem vieler Kommunen ist, dass sie erstmal herumprobieren. Aber wie Pierre Schmitt bereits sagte: Eine Strategie ist entscheidend. Die Strategie ist der Ansatz des integrierten Pflanzenschutzes. Toleranz ist die Schadenschwelle und vorbeugende Maßnahmen beziehen sich auf den Wegebau sowie die alternativen Bekämpfungsmethoden. Letztendlich führt die Kombination all dessen zum Erfolg. Was häufig fehlt, ist das planvolle Vorgehen, in dem festgelegt ist, welchen Zustand von unkrautfrei ich erreichen möchte. Ich kann die Kommunen nur dazu ermuntern, dass es mehr Austausch bezüglich ihrer Erfahrungen gibt. Von wissenschaftlicher Seite wäre es zudem wünschenswert, wenn die Ergebnisse festgehalten werden, damit auch anderen damit geholfen wird.

Schröder: Ich kann Herrn Verschwele nur zustimmen. Es ist wichtig, dass die Arbeiten planmäßig erfolgen. In Osnabrück nutzen wir das System der Pflege in Bildern und wollen dies in diesem Jahr weiter verbessern. Beispielsweise wird die Innenstadt auf einem A-Niveau gepflegt. Wohngebiete können jedoch in die Kategorie B oder C fallen, bei der ein gewisser Bewuchs zulässig ist. Bilder geben genau wieder, wie viel Unkraut vorhanden sein darf.

Es existiert außerdem ein Meldesystem, bei dem Bürger sich beschweren können, wenn Flächen auffallen. Wir haben vor das System mit den Bildern zu koppeln. Der beauftragte Mitarbeiter kann dann das Bild mit dem Pflegekatalog vergleichen und feststellen, ob die Pflegekategorie eingehalten wurde [...]

Das Gespräch führte Maren Schlauß, Redaktion KommunalTechnik

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der Zeitschrift KommunalTechnik Ausgabe 2, 2017.