Dienst an großen Flüssen und wilden Bächen

Entlang von Gewässern, Wildbächen und in lawinengefährdeten Zonen arbeiten die Mitarbeiter von Flussmeisterstellen. Die Redaktion hat die Flussmeisterstelle Sonthofen besucht und sich erklären lassen, wie deren Arbeit aussieht und mit welcher Technik gearbeitet wird.
Auf den Baustellen entlang der Gewässer wird ein Unimog U 423 als Transportfahrzeug eingesetzt. (Foto: Wasserwirtschaftsamt Kempten, Bachmann)

„Eine Flussmeisterstelle ist sowas wie der Bauhof vom Wasserwirtschaftsamt“, erklärt Robert Hagenauer, Flussmeister in Sonthofen gleich zu Beginn unseres Besuchs. Tatsächlich sind die Arbeiten ähnlich umfangreich, nur finden sie fast ausschließlich links und rechts von Gewässern sowie im bergigen Gelände statt. Rund 30 km um den Betriebsstandort in Sonthofen reicht das Tätigkeitsgebiet der Flussmeisterstelle, die für den Bereich Oberallgäu zuständig ist und die ihre Arbeiten von 730 m bis 1400 m üNN verrichtet. Betreut werden unter anderem der südlichste Punkt Bayerns sowie mit Rohrmoos auch der niederschlagsreichste Ort.

Zu den regelmäßigen Arbeiten der Flussmeisterstelle gehören zum einen klassische Pflegearbeiten wie Gehölzpflege entlang von Wegen und Gewässern, Instandhaltung von Wegen, Straßen- bzw. Wegebegleitgrün mähen bzw. mulchen. Zum anderen gehören Baubetriebsarbeiten wie Betonbau, Lawinenverbauung, Brückenbau, Stahlbauten etc. und die Kontrolle von sogenannten Kies- und Treibholzfängern in der Wildbachverbauung. Die Besonderheit in der Flussmeisterstelle Sonthofen ist die große Anzahl an betreuten Wildbachbauwerken in Höhe von 11.037 Stück (im Amtsgebiet der Wasserwirtschaft Kempten insgesamt 21649 Wildbachbauwerke). Rund 60 % der Arbeiten entfallen auf Arbeiten in diesem Bereich. 30 % der Tätigkeiten fallen an Gewässern 1. Ordnung (25 km) statt, knapp 10 % auf Polderflächen und ein geringer Anteil entfällt für die Wasserstandspegelüberprüfung.

Ein fertig gestelltes Wildbach-Bauprojekt. Hier ist fast nur Handarbeit möglich. (Foto: Schmatzler)

Wildbachverbauungen schützen
„Viele Arbeiten wie die Grün- und Gehölzpflege sind saisonbedingte Aufgaben, bei der wir einen geregelten Tagesablauf von 7:15 Uhr in der Früh bis 16:45 Uhr am Nachmittag haben“, berichtet der Flussmeister. Auf Baustellen seien meistens ein Vorarbeiter mit zwei Facharbeitern bzw. Fremdunternehmern vor Ort. Insbesondere mit letzteren arbeitet die Flussmeisterei recht häufig auf großen Baustellen oder bei unvorhergesehenen Ereignissen zusammen. Ein solches passierte zuletzt im Jahr 2015 in Oberstdorf. Starke Regenfälle von 120 l/h hatten einen Wildbach zur unberechenbaren und unvorhersehbaren Gefahr werden lassen, die mit großer Geschwindigkeit riesige Wassermengen, Geröll und Schlamm in die darunter liegende Siedlung gedrückt hatte.  „Da kommt es dann in erster Linie darauf an, dass das verschobene Material schnell beseitigt und abtransportiert wird und das können Bauunternehmen mit Großgeräten dann schlagkräftiger als unser 13köpfiges Team“, sagt Robert Hagenauer und fügt hinzu: „Solche  Unwetter ereignen sich in unserer Region immer mal wieder und sind leider nicht vorhersehbar“.

 

In Bad Hindelang im Ostrachtal wurde der Zillenbach durch eine umfangreiche Verbauung mit Rückhaltebecken etc. (Foto: Schmatzler)gesichert.

Oftmals werden aber solche Vorfälle durch geeignete Maßnahmen der Wildbachverbauung  im Vorfeld verhindert. Bei dieser  steht vor allem der Schutz von Siedlungen sowie Geologie im Vordergrund. Durch verschiedene bauliche Maßnahmen des Flussbaus  sollen Gefahren beseitigt oder wenigstens vermindert und kontrolliert werden. Dabei werden meist verschiedene Maßnahmen kombiniert. Seit ca. 10 Jahren gibt es in Bayern ein Kataster aller Wildbachverbauungen, das auch einen gewissen Überwachungsrhythmus vorgibt.

Das letzte große  von der Flussmeisterstelle Sonthofen betreute Projekt lag in Bad Hindelang im Ostrachtal, wo der Zillenbach, dessen Einzugsgebiet der geologisch instabile Hirschberg ist, durch eine umfangreiche Verbauung mit Rückhaltebecken etc. gesichert wurde. Die Planung solcher Projekte wird in der Regel von spezialisierten Ingenieurbüros übernommen. Eine Kernaufgabe für Robert Hagenauer besteht in der Kommunikation mit den Anwohnern: „Zu 99 % finden die Wildbachverbauungen auf Privatgelände statt.“ In Bad Hindelang kam hinzu, dass die vorhandene Zuwegung über sehr schmale und enge Gassen für Transport und Baustellenfahrzeuge nicht passierbar war. Aus diesem Grund musste für die Bauzeit von nahezu 3 Jahren eine temporäre Baustellenzufahrt geschaffen werden.

Das Team der Flussmeisterstelle sowie Richard Karg, verkaufsberater SKSW Knoblauch (3.v.r) und sein Vorführfahrer Ganold Aichler (1.v.r.), mit dem neuen Unimog

Bergfeste Mitarbeiter benötigt
Eine besondere Arbeit ist die sogenannte Lawinenverbauung, bei der zwischen der temporären Verbauung (unterhalb der Waldgrenze) oder der permanenten Verbauung aus Stahlwerken unterschieden wird. Die Flussmeisterstelle ist nur für letztere unterwegs, dies sind aber meist anspruchsvolle Einsätze. „Die Kosten für einen Hektar Lawinenverbauung liegen zwischen 500.000 und 1 Mio. Euro. Das sind in der Regel Hubschrauberbaustellen.“, sagt Robert Hagenauer. Alle fünf Jahre müssen bestehende Anlagen zudem von den Mitarbeitern der Flussmeisterstelle kontrolliert werden – meist zu Fuß: „Das sind richtige Bergtouren. Da sind Anlagen dabei, da braucht man zwei Stunden, um hinzukommen und die muss man dann auch wieder zurücklaufen.“ Muss Erdreich entfernt werden, geschieht dies per Hand. Der Abtransport erfolgt dann meistens per Bigpack und Hubschrauber.

Aus diesem Grund ist eine gewisse Bergfeste der Mitarbeiter unabdingbar. Die Arbeiten an den Wildbächen erfolgen oft im steilen Gebiet und die Touren zu den Lawinenverbauungen sind auch nicht ohne. „Meine Mitarbeiter sollten außerdem einen Bezug zu ihrer Heimat haben, denn wir sind oftmals in den hintersten Winkeln tätig. Außerdem sollten sie offen für neue Arbeiten sein. Der Schlosser muss auch mal mauern können und der Zimmermann auch mal den Unimog fahren“, beschreibt Robert Hagenauer seine Anforderungen. Er selbst ist gelernter Zimmermann und Bautechniker. Nach einer zweijährigen Anwartschaft (Beamter im Vorbereitungsdienst) folgt eine Flussmeisterprüfung. Seine Mitarbeiter haben die unterschiedlichsten Berufe gelernt, das reicht vom Schlosser über Kfz-Mechaniker, Maurer, Schreiner, Zimmermann bis hin zum Forstwirt.

Der Unimog beim Transporteinsatz auf der Baustelle (Foto: Karg)

Ohne Technik geht es nicht

Verschiedene Schlüsselfahrzeuge unterstützen die Mitarbeiter der Flussmeisterei bei ihren Arbeiten. Dies sind zum Beispiel  ein 18-t-Lkw von Iveco mit Ladekran, ein Hitachi 14-t-Mobilbagger sowie ein Schreitbagger von Menzi Muck zum Fuhrpark. Insbesondere letzteres Fahrzeug ist eine kleine Rarität und nicht ganz einfach zu bedienen. „Es gehört viel Übung dazu, bei uns können ihn drei Mitarbeiter bedienen“, erzählt Robert Hagenauer.

Für Transportarbeiten auf Baustellen und Baustellenzuwegungen, Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger in der Wildbachverbauung sowie Mäh- und Mulcharbeiten an den Gewässerrändern laufen in der Flussmeisterei zwei Unimog. Da es während der Grünpflegesaison immer wieder zu Logistik-Engpässen auf den Baustellen gekommen sei, wurde der im Betrieb vorhandene Unimog U 20 durch einen U 423 ergänzt. Der „alte“ U 20 - mit einem herkömmlichen Schaltgetriebe ausgestattet -  ist nun meist „nur noch“ für Transportarbeiten auf Baustellen zuständig. Hierdurch muss nun in der Grünpflegesaison nun nicht mehr im Zweischichtbetrieb gearbeitet werden. Diese sei nun mit dem U 423 durch die Möglichkeit des hydrostatischen Fahrantriebs komfortabler geworden.  Ausgestattet ist dieser mit einem Frontmulcher und Mulchausleger von Dücker. Dort, wo der Mulchausleger entlang der Dammwege nicht hinreicht, wird mit einem handgeführten Mulcher gearbeitet. Der Mähzyklus ist mit ein bis zwei Mähdurchgängen pro Jahr recht extensiv.

Für die Gehölzpflege wird der Auslegerarm am Unimog mit einer Heckenschere von Dücker ausgestattet. Die Baum- und Gehölzkontrolle erfolgt  zweimal jährlich, einmal im belaubten und einmal im unbelaubten Zustand.

Der Beschaffung des neuen Unimog lag ein Ausschreibungsverfahren zu Grunde. Eine Alternative wäre ein Standardtraktor gewesen, so Robert Hagenauer: „Da hätten wir aber das Problem gehabt, dass dieser nicht auf der Bundesstraße B 19 hätte fahren dürfen. Außerdem hat man bei der Grünpflege auf dem Unimog eine bessere Übersicht und nicht das Vorderrad im Blickwinkel. Mit dem Frontmulcher hat man beim Standardtraktor außerdem das bekannte Problem der Vorbaumaße“.

 

Hintergrund

Die Flussmeisterstelle Sonthofen – zuständig für den Bereich südliches Oberallgäu -  ist eine von fünf Flussmeisterstellen, die dem Wasserwirtschaftsamt Kempten unterstellt sind.  Insgesamt werden vom Wasserwirtschaftsamt Kempten vier Landkreise und zwei kreisfreie Städte betreut. Insgesamt gibt es in Bayern 17 Wasserwirtschaftsämter, die der Wasserwirtschaftsverwaltung unterliegen und diese wiederum dem Bayrischen Umweltministerium. Die Dichte an Flussmeisterstellen ist im Süden Bayerns dichter als im Norden Bayerns, wo eine Flussmeisterstelle meist zwei Landkreise betreut. In Sonthofen sind neben Flussmeister Robert Hagenauer sowie einer Verwaltungsangestellten 13 weitere Personen tarifbezogen beschäftigt. 

Unterschieden wird bei der Arbeit der Flussmeisterstellen in drei Gewässerarten:

- Gewässer 1. Ordnung: meist Flüsse; die voll im Unterhalt und der Ausbauverpflichtung des Freistaates Bayern liegen.

- Gewässer 2.Ordnung: auch hierfür ist der Freistaat Bayerns zuständig

- Gewässer 3. Ordnung: hier ist die Kommune unterhaltungspflichtig; mit der Besonderheit der Wildbäche in Südbayern, für die Bayern unterhalts- und ausbaupflichtig ist.

 

>> Die Autorin: Mirja Schmatzler,
Redaktion KommunalTechnik

Erschienen in der KommunalTechnik Sonderausgabe für Mercedes-Benz Special Trucks, Unimog

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